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Zuletzt aktualisiert: 30.01.2008 um 20:31 Uhr

Psychiatrie: Otto-Wagner-Spital will nicht für Brandopfer zahlen

Ein weiterer nun bekanntgewordener Fall belastet die Psychiatrie im Wiener Otto-Wagner-Spital.

Der Vorfall soll sich hier ereignet haben

Foto © APADer Vorfall soll sich hier ereignet haben

Laut einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" (Donnerstagausgabe) hatte sich eine Patientin im Jahr 2005 trotz Fixierung selbst angezündet. Der Unfall sei "direkte Folge des akuten Personalmangels", so der Rechtsanwalt der Frau im "Kurier". Er forderte rund 70.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld von der Stadt Wien - ein schuldhaftes Verhalten sah man hier laut Zeitung aber nicht.

Zündete sich an. Die von Diagnosen psychisch schwer gezeichnete Frau war nach zwei Selbstmordversuchen in Kontakt mit der Psychiatrie gekommen. Am 6. April 2005 habe sie dort Hilfe gesucht, hieß es im Bericht. Statt eines Arztgesprächs wollte man ihr Beruhigungsmittel verabreichen: "Doch die wollte ich nicht. Dann haben sie mich angebunden", so die Betroffene im "Kurier". Wie im Polizeibericht vermerkt, wollte sich die Frau mittels Feuerzeug von den Fesseln befreien und zündete sich dabei selbst an.

Keine Verletzung der Aufsichtspflicht. Laut Krankenanstaltenverbund (KAV) müssten "fixierte Patienten engmaschig überwacht werden", so die Zeitung. Eine Verletzung der Aufsichtspflicht habe die Rechtsabteilung des Spitals aber nicht gesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2006 keinen strafrechtlichen Tatbestand feststellen können. Nun will man zivilrechtlich klagen.

Bereits in Schlagzeilen. Das Spital war bereits Ende 2007 in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Pflegerin über schwere Missstände in der Akut-Psychiatrie geklagt hatte. Der nun im "Kurier" aufgezeigte Fall sei ein "weiterer, erschütternder Tiefpunkt einer ganzen Reihe von Missständen im Spital", erklärte die Gesundheitssprecherin der Grünen Wien, Sigrid Pilz, in einer Aussendung. Pilz forderte den Rücktritt der verantwortlichen Stadträtin Sonja Wehsely (S).

Neue Stellen. Wilhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes, zeigte sich im APA-Gespräch "persönlich betroffen" von der "unseriösen Kampagne der Grünen": Es sei unverhältnismäßig, einen "furchtbaren und bedauerlichen Fall eines Suizid- und Selbstverstümmelungsversuch" zu benutzen, um die gesamte Psychiatrie zu diffamieren, so Marhold. Man habe Belastungen in der Psychiatrie erkannt und darauf reagiert: Ab Februar bzw. März gebe es zusätzlich zwölf Ärzte- und 18 Pflegedienstposten im Otto-Wagner-Spital. Die Vorbereitungen dazu seien bereits im Vorjahr gelaufen. Pro Jahr betreue man rund 12.500 Patienten in insgesamt neun offenen Psychiatrien in Wien.


Fakten

Das Spital war bereits Ende 2007 in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Pflegerin über schwere Missstände in der Akut-Psychiatrie geklagt hatte.

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