Psychiatrie: Otto-Wagner-Spital will nicht für Brandopfer zahlen
Ein weiterer nun bekanntgewordener Fall belastet die Psychiatrie im Wiener Otto-Wagner-Spital.

Foto © APADer Vorfall soll sich hier ereignet haben
Laut einem Bericht der
Tageszeitung "Kurier" (Donnerstagausgabe) hatte sich eine Patientin
im Jahr 2005 trotz Fixierung selbst angezündet. Der Unfall sei
"direkte Folge des akuten Personalmangels", so der Rechtsanwalt der
Frau im "Kurier". Er forderte rund 70.000 Euro Schadenersatz und
Schmerzensgeld von der Stadt Wien - ein schuldhaftes Verhalten sah
man hier laut Zeitung aber nicht.
Zündete sich an. Die von Diagnosen psychisch schwer gezeichnete Frau war nach zwei
Selbstmordversuchen in Kontakt mit der Psychiatrie gekommen. Am 6.
April 2005 habe sie dort Hilfe gesucht, hieß es im Bericht. Statt
eines Arztgesprächs wollte man ihr Beruhigungsmittel verabreichen:
"Doch die wollte ich nicht. Dann haben sie mich angebunden", so die
Betroffene im "Kurier". Wie im Polizeibericht vermerkt, wollte sich
die Frau mittels Feuerzeug von den Fesseln befreien und zündete sich
dabei selbst an.
Keine Verletzung der Aufsichtspflicht. Laut Krankenanstaltenverbund (KAV) müssten "fixierte Patienten
engmaschig überwacht werden", so die Zeitung. Eine Verletzung der
Aufsichtspflicht habe die Rechtsabteilung des Spitals aber nicht
gesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2006 keinen
strafrechtlichen Tatbestand feststellen können. Nun will man
zivilrechtlich klagen.
Bereits in Schlagzeilen. Das Spital war bereits Ende 2007 in die Schlagzeilen geraten,
nachdem eine Pflegerin über schwere Missstände in der
Akut-Psychiatrie geklagt hatte. Der nun im "Kurier" aufgezeigte Fall
sei ein "weiterer, erschütternder Tiefpunkt einer ganzen Reihe von
Missständen im Spital", erklärte die Gesundheitssprecherin der Grünen
Wien, Sigrid Pilz, in einer Aussendung. Pilz forderte den Rücktritt
der verantwortlichen Stadträtin Sonja Wehsely (S).
Neue Stellen. Wilhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener
Krankenanstaltenverbundes, zeigte sich im APA-Gespräch "persönlich
betroffen" von der "unseriösen Kampagne der Grünen": Es sei
unverhältnismäßig, einen "furchtbaren und bedauerlichen Fall eines
Suizid- und Selbstverstümmelungsversuch" zu benutzen, um die gesamte
Psychiatrie zu diffamieren, so Marhold. Man habe Belastungen in der
Psychiatrie erkannt und darauf reagiert: Ab Februar bzw. März gebe es
zusätzlich zwölf Ärzte- und 18 Pflegedienstposten im
Otto-Wagner-Spital. Die Vorbereitungen dazu seien bereits im Vorjahr
gelaufen. Pro Jahr betreue man rund 12.500 Patienten in insgesamt
neun offenen Psychiatrien in Wien.
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Fakten
Das Spital war bereits Ende 2007 in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Pflegerin über schwere Missstände in der Akut-Psychiatrie geklagt hatte.










