Digitalradio wird zum Ladenhüter
Anders als bei Digital-TV hat bei DAB niemand Eile. So könnte diese Technik übersprungen werden, obwohl der Konsument davon einen echten Mehrwert hätte.

Foto © BMWVor allem im Auto würde DAB Sinn machen
Es gibt Dinge in der Technik, die kommen nicht und nicht vom Fleck. Das Digitalradio etwa. Die Eile, die man beim Digital-TV (DVB-T) an den Tag legte, ist ungefähr so groß wie die Lethargie bei Digital Audio Broadcasting (DAB). Anders als beim Fernsehen hätte der Konsument dabei aber einen echten Mehrwert: Neben kristallklarem Sound und mehr Information gäbe es vor allem mehr Auswahl.
Geringes Interesse. Doch der ORF mauert und verweist auf andere Länder: In Skandinavien hätte man DAB angesichts geringen Interesses wieder aufgegeben. In Deutschland sind zwar 80 Prozent versorgt, doch gibt es nur ein paar hunderttausend Nutzer. Wenn man will und die Sendeanstalten dahinter stehen, kann es auch anders gehen: In Großbritannien verkauft sich das Digitalradio gut. Elektromärkte wie Dixons verkaufen gar keine analogen Radios mehr.
Viele freie Frequenzen. Gut 15 Jahre sind seit der Verabschiedung des Standards vergangen und in Österreich tut sich nichts. Die beiden laufenden Feldversuche könnten, wird befürchtet, Sparmaßnahmen zum Opfer fallen. "Wir haben sehr viele Frequenzen, aber keiner will sie", meint Franz Prull, stellvertretender Leiter der KommAustria. Bis zu 20 Sender sind pro Multiplexer möglich. Problem dabei: Direkte Konkurrenten müssten zusammen arbeiten.
20 Jahre Übergangszeit. Anders als beim Digital-TV würde die Umstellung nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen. DAB-Endgeräte (ab 40 Euro) können auch UKW empfangen. Als Übergangszeit wären 20 Jahre angedacht - Zeit genug, um die Millionen Radios zu tauschen.
Bewährte Technik. Andererseits wird die bewährte Empfangstechnik auch besser. Car-HiFi-Systeme sorgen für glasklaren UKW-Sound, Erweiterungen wie der Traffic Message Channel (TMC) bringen Verkehrsinfos und Zusatzinformationen zur gespielten Musik aufs Display.
Technik überspringen. Prull ist skeptisch, dass DAB in Österreich jemals Fuß fassen wird. Aber: "Dass es auch beim Radio einen Technologiesprung geben wird, ist aus meiner Sicht unvermeidlich. Die Leute wollen mehr Auswahl und die Technik wird sie ihnen bringen."
Web-Radio. Sein Szenario: Das Web-Radio wird früher oder später in Autos einziehen. "Unterwegs in ländlichen Gebieten werden wir weniger Auswahl haben, im urbanen Raum dank UMTS und WLan selbst im Auto aus zehntausenden Stationen wählen können", meint Prull. Angeboten werden aber auch immer mehr vernetzte Stereoanlagen für zu Hause.
Features
Digital Audio Broadcasting
Technik: Statt Audiosignale in analogen Wellen zu übertragen, werden Bits (Nullen und Einser) durch die Luft geschickt.
Vorteile: Bis zu 20 Sender (zehn in Stereo) können auf einem einzigen Frequenzband übertragen, Zusatzinformationen und Bilder mitgeschickt werden. Die Audioqualität von DAB+ übertrifft sogar jene der CD. Der Empfang ist besser.
Nachteile: Im Randbereich des Senders gibt's gar keinen Empfang. Eigene Hardware (neue Radios) sind nötig. Für Rundfunkanstalten ist die Umstellung teurer, sie hätten damit auch mehr Konkurrenz. Und schließlich ist auch UKW nicht so schlecht.










