Das "europäische Las Vegas" entsteht in Spanien
Umweltschützer laufen Sturm gegen das Mammutprojekt in einsamem Landstrich Los Monegros.

Foto © ReutersDie digitale Version von "Gran Scala"
Noch ist in Los Monegros vor allem das Heulen des
Windes zu hören. "Ruhe und Abgeschiedenheit" werden in Reiseführern
als die größten Attraktionen dieses wüstenähnlichen Landstriches im
Nordosten Spanien gepriesen. Doch das soll sich schon bald ändern,
denn in der kaum besiedelten Gegend rund eine Autostunde von
Saragossa entfernt soll das europäische Las Vegas entstehen - nur
größer. Umweltschützer laufen bereits Sturm gegen das Vorhaben.
Schwindelerregende Zahlen.
Die Zahlen des Projekts, auf das sich nun die Regierung der Region
Aragonien und eine internationale Investorengruppe mit Sitz in London
geeinigt haben, sind schwindelerregend: Um das größte Spieler- und
Freizeitparadies der Welt aus dem Boden zu stampfen, sind
Investitionen von 17 Milliarden Euro vorgesehen. Das ist doppelt so
viel, wie 1992 die Olympischen Spiele in Barcelona gekostet haben.
Entwicklungschance.
Die sozialistische Regionalregierung Aragoniens sieht in dem
Projekt die große Entwicklungschance für einen der ärmsten
Landstriche Spaniens. "So etwas konnten wir uns nicht entgehen
lassen", sagt Regierungschef Marcelino Iglesias und rechnet vor:
Allein aus den Spielsteuern würden jährlich 1,7 Milliarden Euro in
die Kassen Aragoniens und des Zentralstaates gespült. Zudem würden
65.000 Arbeitsplätze geschaffen. "Die Umwelt wird geachtet werden.
Andernfalls interessiert uns das Ganze nicht", verspricht er. So soll
auf Sonnen- und Windenergie gesetzt werden.
Kritik der Umweltschützer.
Umweltschützer bezweifeln das. Für sie ist "Gran Scala" ein
Projekt, das "völlig überflüssig, energieverschwendend und gegen die
Prinzipien im Kampf gegen den Klimawandel gerichtet" ist. So steht es
in einer Erklärung von mehreren Naturschutzverbänden und
Bürgerinitiativen, die das Vorhaben gemeinsam bekämpfen wollen. Dazu
wollen sie auch die EU-Kommission einschalten. Sie erinnern daran,
dass Los Monegros als eine in Europa einzigartige Landschaft gilt und
es dort Pflanzenarten gibt, die nirgendwo sonst zu finden sind. Die
Kritiker fragen sich auch, wo das Wasser für das Mammutprojekt
herkommen soll, zumal einer der geplanten Freizeitparks ein
Wasserpark sein wird.
Beginn der Bauarbeiten.
Die zuständige Investorengruppe ILD (International Leisure
Development) mit rund einem Dutzend Partnern aus mehreren Ländern
will im dritten Quartal 2008 mit den Bauarbeiten beginnen. Der erste
Teil des Spielerparadieses soll bereits in zwei Jahren in Betrieb
gehen, der gesamte Komplex 2015 stehen. Als Computermodell existiert
er bereits: Inmitten einer futuristischen Anlage sind darauf etwa
Nachbauten der ägyptischen Pyramiden oder des Pentagon in Washington
zu sehen.
Features
Fakten
Der "Gran Scala" genannte Komplex ist als Mischung aus Las Vegas
und Disneyland konzipiert. Er soll auf 20 Quadratkilometern 32
Kasinos, 70 Hotels, fünf Freizeit-
parks, eine Pferderennbahn, eine
Stierkampfarena, einen Golfplatz, 230 Restaurants und 500 Geschäfte
beherbergen, dazu ein Konferenzzentrum und Wohnsiedlungen.
Los Monegros
Los Monegros ist etwa gleich weit entfernt von Städten wie Madrid,
Barcelona, Bilbao und Valencia und kann auch von Frankreich leicht
erreicht werden. Die Initiatoren rechnen mit einem Einzugs-
gebiet von
30 Millionen Menschen, 100.000 Menschen sollen dort leben.












