20.000 Aleviten demonstrierten gegen "Tatort"-Krimi
Aleviten haben die "Tatort"-Serie "Wem Ehre gebührt" wegen Volksverhetzung angezeigt, nachdem die Religionsgruppe in der Serie in Zusammenhang mit Inzest gebracht worden war.

Foto © ORF/APATatort 'Wem Ehre gebührt' steht stark unter Beschuss. Im Bild: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) spricht mit Selda Özkan (Aylin Tezel)
Rund 20.000 türkischstämmige Aleviten (Alawiten)
aus Deutschland und zahlreichen Nachbarländern haben am Sonntag in
Köln gegen den jüngsten "Tatort"-Krimi demonstriert. Eine Woche nach
Ausstrahlung des Films "Wem die Ehre gebührt", in dem es um den
fiktiven Inzestfall in einer alevitischen Familie geht, füllten die
Demonstranten den ganzen Roncalliplatz neben dem Kölner Dom. Die
Polizei wollte zunächst keine Teilnehmerzahlen nennen. Die
Veranstalter sprachen von bis zu 30.000.
Vorurteil.
"Wenn Aleviten in einem Atemzug mit Inzest erwähnt werden, dann
ist dies mehr als ein Phänomen, das in allen Kulturen vorkommen kann.
Dieser Vorwurf raubt den Aleviten jegliches Existenzrecht", sagte der
Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF), Ali
Ertan Toprak, zu Beginn der Kundgebung. Toprak verglich den Vorwurf
des Inzests unter Aleviten mit "dem Vorurteil über einen Ritualmord
an christlichen Kindern, der den Juden jahrhundertelang in Europa
angedichtet wurde, um sie zu dämonisieren und später zu vernichten".
Nur vor diesem Hintergrund sei "die Dimension unserer Empörung zu
verstehen". Die Demonstranten skandierten während der Rede mehrfach
den türkischen Slogan "Seid nicht leise, sonst kommt auch ihr
irgendwann dran!"
Steinmeier.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor
alle Beteiligten zur Mäßigung aufgerufen. "Drehbuchautoren und
Künstler müssen wissen: Gegenüber religiösen Gefühlen der Menschen,
egal um welchen Glauben es sich handelt, sind Respekt, Umsicht und
Behutsamkeit geboten", sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende der
"Bild am Sonntag". Aber der am 23. Dezember ausgestrahlte Krimi habe
sich nicht allgemein mit den Aleviten beschäftigt, sondern mit einem
Einzelfall. "Er darf kein Anlass für einen religiösen Kulturkampf
sein", sagte Steinmeier.
Features
Fakten
Bei der Berliner Polizei hatten Aleviten Anzeige wegen
Volksverhetzung gegen die ARD und den verantwort-
lichen Sender NDR
erstattet.
Foto

Die alevitische Gemeinde ging auf die StraßeFoto © Reuters
Fakten
Die Aleviten sind eine schiitische Religions-
gemeinschaft. Ein besonderes Merkmal ihrer Glaubensvorstellung ist die besondere Verehrung für Ali ibn Abu Talib bzw. für die 12 Imame. Das ist aber auch die einzige Ähnlichkeit mit dem Schiitischen Islam.










