Kärntner will keine Weihnachtsamnestie
Bundespräsident schenkt 14 Kärntner Häftlingen zu Weihnachten die Freiheit. Gefängnis-Turnsaal für Fußball-EM in Hafträume umgerüstet.

Foto © JustOberstleutnant und Leiter der Justizanstalt Peter Bevc
Das kommt auch nicht alle Tage vor! "Weil er keine Reststrafe auf Bewährung mit sich schleppen wollte, hat ein Häftling auf die mögliche Begnadigung verzichtet", berichtet Peter Bevc, Leiter der Justizvollzugsanstalt in Klagenfurt. 17 andere aber wollten, was man sich von Strafgefangenen vorstellt: so schnell wie möglich in die Freiheit! Sie baten Bundespräsident Heinz Fischer um Begnadigung, die er 14 Kärtnern gewährte - vor allem Unfalllenkern aus stabilem beruflich-sozialem Umfeld.
"Signal setzen". Was war mit den drei anderen? Bevc: "Bei zweien ging es um weiche Drogen, warum die abgelehnt wurden, weiß ich nicht. Der Dritte sitzt nach einem Verkehrsunfall wegen fahrlässiger Körperverletzung, aber er hatte das Opfer im Stich gelassen. Da wollte der Präsident wohl ein Signal setzen." Das ist gelungen, denn wer hätte gedacht, dass gutes Verhalten auch nach Straftat und Verurteilung Früchte tragen kann?
Fakten
Traditionell begnadigt der Bundespräsident in Österreich zu Weihnachten Häftlinge, bei denen er es für richtig hält.
Heuer waren es 484 Begnadigungen österreichweit.
Platzmangel. Die Fußball-EM macht sich auch hinter Anstaltsmauern bemerkbar. 390 Häftlinge sitzen derzeit ein, darunter 80 Ausländer aus Wien. Platz ist nur noch für weitere zehn Personen. "Bei der WM in Deutschland hat es 80 gerichtliche Verhaftungen gegeben. Vor allem wegen schwerer Körperverletzung, die man nicht als Verwaltungsübertretung im Schnellverfahren erledigen konnte. Wenn man das auf die vier Spielorte in Österreich umlegt, bleiben 20 für Klagenfurt übrig", rechnet Bevc. Sicherheitshalber will er aber lieber auf 50 (Untersuchungs-)Häftlinge vorbereitet sein. "Im Turnsaal werden wir provisorisch Zwei-Mann-Hafträume einrichten, im Notfall mit Stockbetten auch Drei-Mann-Räume."










