Railjet: Luxus auf Schiene
Haubendekorierter Meinl am Graben übernimmt Catering bei den ÖBB. Der kulinarische Qualitätssprung ist den neuen Railjets zu verdanken, die Ende 2008 erstmals auf der Westbahnstrecke auf Schiene gehen.

Foto © APA/Fohringer
Vorbei mit den schal schmeckenden Frankfurtern, die in jeder Kurve vom Teller flutschen. Vorbei mit Dosengulasch und trockenem Apfelstrudel. Ab Herbst übernimmt der mit Hauben dekorierte Gourmettempel Meinl am Graben den Kochlöffel bei den ÖBB. Für Testzwecke werden die Speisewagen etlicher Züge schon bald mit Meinl-Menüs bestückt.
Der kulinarische Qualitätssprung ist den neuen Railjets zu verdanken, die Ende 2008 erstmals auf der Westbahnstrecke auf Schiene gehen. 2010 wird der Super-Zug - eine Entwicklung in Kooperation von ÖBB und Siemens - erstmals zwischen Wien, Villach und Italien verkehren.
Railjet. Der Startschuss für den Railjet ist vor knapp einem Jahr gefallen. Seither geht die Produktion vonstatten, wie die Eisenbahn: Der erste Wagenkasten von 23 Railjet-Garnituren (44 weitere sind bereits bestellt) ist lackiert, die ergonomischen Zugsitze fertig und das Catering nach einem eingehenden Geschmacks-Tests bei e-Express/Meinl bestellt. "Mit dem Railjet wird eine neue Qualität im Fernreiseverkehr angesteuert", ist Christoph Posch, Sprecher der ÖBB in Villach, überzeugt. 816 Millionen Euro setzt die ÖBB dafür ein.
Premium Klasse. Wenn der Schaffner mit dampfenden Handtüchern am Serviertablett aufkreuzt, mit erlesenen Magazinen und Tageszeitungen, kalte und warme Snacks, sowie Getränke an den Sitzplatz serviert, sitzt man nicht im Flugzeug, sondern in der Premium Klasse des Railjet. Wahlweise gibt's Business und Economy Class. Aber das ist dann eine Preisfrage.
Kein Gleisneubau. Gezogen wird er vom König aller Lokomotiven, der Taurus. Eine deutsch-österreichische High-Tech-Entwicklung. Die Taurus wird mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde auf der Westbahn dahinbrausen. Auf der kurvenreicheren Südbahnstrecke wird der Jet auf etwa vier Stunden kommen. Die Fahrtstrecke von Wien nach Salzburg wird sich von 2,37 auf 2,15 Stunden verkürzen. Die Spezialität: "Der Railjet ist ein Wendezug, der von beiden Seiten gezogen werden kann", erklärt Posch. Anders als beim Pendolino mit Kurvenneigung, der für das österreichische Streckennetz verworfen wurde, ist kein Gleisneubau für den Railjet nötig.
Rollstuhlplätze. "Er bringt vor allem eine immense Steigerung des Komforts mit sich", meint Posch. Will heißen: Ergonomische Sitze aus Leder in allen drei Klassen, Fußraster, Steckdosen, Kleiderhaken, Komfortkopfploster und Laptop-Tische. Ausgesuchte Speisen im Bistro-Wagen oder Sitzplatzservice. Ein Hebelift und barrierefreies Ein- und Aussteigen, Rollstuhlplätze und Plätze für Blinde und Partnerhunde macht das Reisen dann auch für beeinträchtigte Personen erstmals vergnüglich.
Aufrüstung. Die Bemühungen der ÖBB nach Qualität werden, laut Posch, aber nicht beim Railjet aufhören. "Derzeit werden 800 Waggons aufgerüstet und erneuert", erzählt Posch. 220 Millionen Euro werden dafür aufgewendet.













