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Zuletzt aktualisiert: 10.12.2007 um 20:33 Uhr

Chefankläger ist nicht ängstlich

Karl Gasser (55) hat jetzt den Chefsessel in der Oberstaatsanwaltschaft Graz erklommen und hat somit auch bei allen wichtigen Kärntner Anklagen das letzte Wort.

Sie sind der oberste Ankläger für die Bundesländer Steiermark und Kärnten - wie dünn ist die Luft da oben?
KARL GASSER: Ich habe sehr gute Stellvertreter und die werden dafür sorgen, dass Sauerstoff herbeigeschafft wird, falls es notwendig sein sollte.

Macht ist...
GASSER: ...Entscheidungen allein zu treffen. Ein Kollege aus Wien hat kürzlich gesagt, everybodys darling is everybodys Depp. In einer Führungsposition ist das eine Weisheit, die man beherzigen sollte.

Ihrer Generation nach könnten Sie ein Schüler oder besser: ein Enkel des früheren Justizministers Christian Broda sein. Haben auch Sie Visionen?
GASSER: Also im Gegensatz zu anderen glaube ich nicht, dass man einen Arzt braucht, wenn man Visionen hat. Eine gefängnislose Gesellschaft ist aber eine Utopie und ich weiß nicht, ob Broda das ernsthaft im Auge hatte.

Warum sind Sie Jurist geworden?
GASSER: Ich habe mich schon als Kind aufgeregt, wenn ich glaubte, ungerecht behandelt zu werden. Ich war auch ein unbequemer Schüler und immer schon ein kritischer Mensch. Strafbares Verhalten sollte immer mit Konsequenzen verbunden sein.

Stichwort oder Reizwort Weisungsrecht.
GASSER: Damit habe ich kein wirkliches Problem...

...in der Causa Lucona sind 16 Weisungen durch den Justizminister dokumentiert.
GASSER: Ja, aber seither hat sich vieles geändert. Weisungen müssen immer schriftlich ergehen und am Schluss des Verfahrens offen gelegt werden. So gesehen sind die Weisungen keine echte Bedrohung für unsere Unabhängigkeit.

Der Fall Jack Unterweger war wohl Ihr spektakulärster, den Sie als Ankläger vertreten haben.
GASSER: Ja, da waren wir sicher in mehrfacher Hinsicht gefordert. Dieser Fall spielte sich nicht nur auf der juristischen, sondern auch auf der psychologischen Ebene ab.

Was bereitet Ihnen schlaflose Nächte?
GASSER: Man nimmt natürlich das eine oder andere Problem mit nach Hause und man ärgert sich auch - aber schlaflose Nächte? Nein.

Was wird die größte Herausforderung in Ihrer Regentschaft als Oberstaatsanwalt sein?
GASSER: Soweit man das jetzt schon absehen kann natürlich die erfolgreiche Umsetzung der Strafprozessreform ab kommenden Jänner. Die Staatsanwälte rücken in das Zentrum des Verfahrens und die Strafrechtspflege sollte dadurch noch besser werden.

Vor Jahren wurde ein bis heute nicht geklärter Sprengstoffanschlag auf Ihr Haus verübt. Sie wurden damit selbst Opfer eines Kriminalfalles. Ist das noch immer beunruhigend?
GASSER: Ich hatte das Glück, dass meine Familie diesen Anschlag sehr gut verarbeitet hat. Ich bin Fatalist. Wenn jemand ängstlich ist, ist das keine gute Eigenschaft für diesen Beruf.

Wenn Sie sagen, Sie sind Fatalist - haben Sie einen Leitspruch ?
GASSER: Ich will mich jetzt nicht als Gutmensch darstellen, aber ich versuche trotz meiner Launen nach der goldenen Regel zu leben: Nämlich andere so zu behandeln wie ich selbst behandelt werden möchte.

Gibt es ein Buch, das Sie zwei Mal gelesen haben?
GASSER: Ja, den Faust I immer wieder und auch den Osterspaziergang.Früher habe ich auch Kriminalromane gelesen, aber das tue ich jetzt nicht mehr. In der Praxis bin ich mit der Realität konfrontiert, da brauche ich keine Krimis.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
GASSER: Tarockieren, fischen und selber kochen. Das entspannt mich und ermöglicht mir auch eine gesunde Ernährung. Ein mit Niedrigtemperatur gebratenes Fleisch - das möchte ich auf keinen Fall missen.

INTERVIEW: DORIS PIRINGER

Zur Person

Karl Gasser wurde im Dezember 1952 in Graz geboren. Hier absolvierte er auch das Studium der Rechtswissenschaften.

In St. Veit/Glan war er eineinhalb Jahre Zivilrichter, ehe er 1986 an die Staatsanwaltschaft Graz wechselte.

1999 kam Karl Gasser an die Oberstaatsanwaltschaft, seit 1. Dezember leitet er dieses Amt.

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