Künstler-Erbe will Geld für Kärntenbilder
Fast jeder Kärntner kennt seine "heimattreuen" Bilder, doch Ernst Kutzer selbst ist weitgehend unbekannt. Jetzt verlangt sein Erbe und Enkel vom Land Tantiemen für frühere und zukünftige Verwendung.

Foto © KutzerGut möglich, dass die Leser dieses Bild zum ersten Mal "legal" sehen. Denn Peter Kutzer-Salm, Erbe des Malers Ernst Kutzer, ist ausdrücklich mit der Abbildung einverstanden
Fast 60.000 Bilder hat Ernst Kutzer im Laufe seines Lebens von 1880 bis 1965 gemalt. Einige von ihnen haben es in Kärnten zu "Weltruhm" gebracht. Der knorrig-besorgte Gamsbart-Träger, der die Kärntner zur Volksabstimmung auffordert, die (übrigens geschlechtsspezifisch ausgewogene) Drei-Generationen-Versammlung vor der Abstimmung-Urne: Diese Bilder haben bei unzähligen Kärntnern das Gefühl verstärkt, auf der richtigen Seite zu stehen - heimattreu, gerecht, zuverlässig, unbeirrbar. Die Bilder wurden zu Ikonen; von denen glaubt man gern, dass sie Allgemeingut geworden sind und jedem gehören.
Ernst Kutzer
Lebendaten. Geburt am 10. Juni 1880 in Böhmisch Leipa, Tod am 19. März 1965 in Wien.
Kärntner Heimatdienst. Der Erbe und Enkel des Malers, Peter Kutzer-Salm, sieht das nicht so. Deshalb hat er einen Brief geschrieben, den das Land Kärnten seit Wochen ratlos unbeantwortet lässt. Kutzer-Salm: "Mir ist ein Schriftstück aus dem Jahre 1960 zugespielt worden. Aus dem geht zweierlei hervor: Dass die Tantiemenregelung zwischen dem Kärntner Heimatdienst und dem Verlag meines Großvaters nicht mehr existiert und er sich selbst um seine Ansprüche kümmern soll. Und zweitens, dass das Land Kärnten der Rechtsnachfolger des Kärntner Heimatdienstes ist." Dann wäre - so die logische Folge - das Land Kärnten für die Tantiemen zuständig.
Ernst Kutzers Arbeit
Arbeit. Maler, Grafiker, Autor und (Bilder-)Buch-Illustrator.
"Ein bissl Ablöse". "Es freut mich, dass die Bilder und Plakate bis heute in Kärnten verwendet werden", sagt Kutzer-Salm, "und das soll auch so bleiben, weil mein Großvater sie dafür gemalt hat. Aber ich will ein bissl eine Ablöse für das, was über 40 Jahre lang ohne mein Wissen und meine Zustimmung getan wurde. Auf jeden Fall will ich eine Stellungnahme des Landes und eine Regelung für die Zukunft."
"Tantiemen fällig". Es klingt absurd, dass diese Bilder nach fast 90 Jahren zum Inhalt eines Rechtsstreits werden könnten. Doch wenn man dem Linzer Anwalt Peter Baumann zuhört, der Kutzer-Salm vertritt, dann ist das gar nicht mehr absurd: "Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Betreffenden, in diesem Fall also im Jahr 2035. Alle unerlaubten Verwendungen von Kutzer-Bildern vor dem Jahr 1977 sind absolut verjährt. Für alles, was danach öffentlich benutzt wurde, sind Tantiemen fällig, und zwar an den Erben Peter Kutzer-Salm."
Ernst Kutzers Nachkommen
Enkel. Kutzer-Enkel und Erbe Peter Kutzer-Salm hat seine Erlebnisse und Recherchen zur Kutzer-Familiengeschichte auf drei Bände angelegt: "Kutzer G'schichteln" ist vergriffen, Band zwei braucht einen Sponsor und an Band drei arbeitet er.
Wer was wann wo? Doch das ist nicht so einfach, denn wer in den letzten 30 Jahren wann genau welches Bild in welcher Form zu welchem Zweck benutzt hat, ist kaum zu ermitteln. "Wir haben das große Glück, dass der Japaner Noriko Shindo das ,Ernst Kutzer Buch - eine Bio-Bibliographie' geschrieben und seine Werke großteils mit Fotos akribisch aufgelistet hat." Baumann hofft auf eine Einigung mit dem Land, die eine pedantische Suche nach jedem Einzelfall überflüssig macht: "Ich lasse dem Land Kärnten gern bis zum Ende des Jahres Zeit für eine Stellungnahme." Die wird das Land auch brauchen, denn die bislang einzige offizielle Reaktion kommt von Kulturabteilungs-Leiterin Erika Napetschnig, die sagt: "Wir prüfen noch!"
Familienforschung. In materialistischen Zeiten wie diesen liegt es nahe, Kutzer-Salm den Wunsch nach ein paar schnellen Euro zu unterstellen. Zu Unrecht, denn der 61-Jährige widmet einen Großteil seines Lebens der Erforschung der eigenen Familie, bei der Ernst Kutzer eine Hauptrolle spielt. "Ich bin von Geburt weg zwanzig Jahre bis zu seinem Tod 1965 im gleichen Haus aufgewachsen. Mir gegenüber war er nachsichtig bis zum Geht-nicht-mehr. Wenn meine Eltern mit mir schimpften, hat er mich geholt, ich saß auf der Couchlehne und habe ihm am Schreibtisch zugeschaut. Die herrliche Lampe aus Messing und grünem Glas verwende bei meinen Lesungen heute noch."










