Mord nach erfolglosem Auftritt in Talkshow schockt Spanien
Sendung brachte eine 30-Jährige mit ihrem Ex-Freund zusammen, von dem sie sich sechs Wochen zuvor getrennt hatte, weil er sie misshandelte. Vier Tage später war die Frau tot.
Foto © www.pixelio.de/Bertam FohrnKritik am "Telemüll"
Als Svetlana mit dem Versprechen einer "Überraschung" in eine beliebte spanische Talkshow des Privatsenders "Antena 3" eingeladen wurde, dachte die junge Russin an ein Wiedersehen mit jemand aus ihrer Heimat. Arglos sagte sie zu. Die Überraschung entpuppte sich jedoch als Rendezvous mit tödlichem Ausgang: Die Sendung brachte die 30-Jährige mit ihrem gleichaltrigen Ex-Freund zusammen, von dem sie sich sechs Wochen zuvor getrennt hatte - weil er sie misshandelte.
Durchschnittene Kehle. Vier Tage nach der Show des Privatsenders Antena 3 wurde Svetlana im Eingang ihres Hauses in Alicante mit durchgeschnittener Kehle entdeckt. Als mutmaßlichen Täter verhaftete die Polizei ihren Ex-Freund. Die Frau hinterlässt einen kleinen Sohn aus einer anderen Beziehung.
"Alles". Den TV-Auftritt hatte Ricardo eingefädelt, der mit Svetlana vier Jahre zusammen gewesen war. Unter Tränen kniete er sich vor ihr nieder, flehte um Vergebung und machte ihr mit gezücktem Ring einen Heiratsantrag. "Du bist alles für mich. Alles." Während der Szene blendete der Sender ein Spruchband ein: "Wird sie ihm eine zweite Chance geben?" Doch Svetlana wies den gelernten Fleischhauer entschieden ab. "Willst Du Deine Meinung nicht ändern?", schaltete sich die Moderatorin ein. "Nein!", antwortete die Frau resolut.
Debatte. Der Mord hat in Spanien eine doppelte Debatte ausgelöst. Dabei geht es einerseits um die steigende Zahl von Realityshows, die die Zuschauer mit menschlichem Leid oder Enthüllungen aus dem Privatleben vor den Bildschirm locken. "Telemüll" (telebasura) werden sie genannt. Aufgeschreckt durch die Tat berief die Regierung eilends ein Treffen mit den Verantwortlichen der Fernsehanstalten ein.
Blanke Gewalt. Andererseits fachte das Schicksal Svetlanas die Diskussion um die Gewalt gegen Frauen an. In Spanien, dem Land, das weltweit den Begriff des "Machos" prägte, wurden in diesem Jahr bereits 74 Frauen von ihren Ehemännern, Lebenspartnern oder Ex-Freunden umgebracht. Das sind sechs mehr als im gesamten Vorjahr. Und dies, obwohl ein Gesetz zum Schutz der Frauen verabschiedet wurde, Sondergerichte eingeführt wurden oder immer wieder Medienkampagnen in Hörfunk und Fernsehen laufen.
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Gefährlich rückständig
"Meine Frau gehört mir!" - diese archaische Einstellung lebe in den Köpfen vieler spanischer Männer fort, sagen Soziologen. Schließlich war es unter der Franco-Diktatur (1939-1975) sogar erlaubt, die Ehefrau zur "Züchtigung" zu schlagen. Strafbar war dies nur, wenn Verletzungen verursacht wurden, "die nicht binnen zwei Wochen heilen".










