Kokain ist Europas neue Massendroge
Experten schlagen Alarm: 4,5 Millionen Europäer schnupften im Vorjahr das weiße Puder, das damit auf Rang zwei der illegalen Drogen hinter Cannabis vorschnellt.

Foto © APAMehr Tote - Jugendliche betroffen
Konstantin Wecker war ihm ebenso verfallen wie sein Sangeskollege Rainhard Fendrich, der Münchner Starkoch Eckart Witzigmann oder das klapperdürre Supermodell Kate Moss. Selbst der Cousin der Queen, Lord Windsor, wurde mit einer Brise "Schnee" erwischt. Doch die Zeiten, als Kokain als Modedroge der Reichen und Schönen, der Künstler und Prominenten galt, sind vorbei.
"Koks" ist drauf und dran, von der Schickeria- zur Massendroge zu werden. Zu diesem alarmierenden Schluss gelangt die EU-Drogenbehörde (EBDD) in ihrem aktuellen Jahresbericht, der gestern in Brüssel vorgestellt wurde.
Zweiter Rang.
Demnach haben im Vorjahr rund 4,5 Millionen Europäer im Alter zwischen 15 und 64 Jahren Kokain konsumiert. Das sind um eine Million mehr als im Jahr zuvor. Damit ist Kokain hinter Cannabis erstmals auf Rang zwei der illegalen Drogen in Europa vorgerückt und hat die Modedroge Ecstasy ablöst.
Zwölf Millionen Europäer haben mindestens einmal im Leben "Snow" geschnupft, zwei Millionen haben die Droge in den letzten 30 Tagen konsumiert. Kokain sei der "aufsteigende Stern" unter den Drogen, heißt es im Bericht. "Bei Kokain zeigt sich ein erschreckendes Bild", sagte der Direktor der EU- Drogenbehörde, Wolfgang Götz.
Sinkende Preise.
Ursache für den dramatischen Anstieg snd die europaweit sinkenden Preise. Inzwischen kostet ein Gramm um 40 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren.
Unter den illegalen Drogen am weitesten verbreitet bleibt aber Cannabis. Rund drei Millionen Europäer rauchen, lutschen oder mischen das Rauschmittel täglich oder fast täglich" in ihre n Speisen. Fast ein Viertel der Erwachsenen in der EU hat mindestens einmal im Leben Cannabis probiert. Fast 50.000 Cannabispatienten sind wegen ihrer Drogenprobleme in Behandlung.Die gute Nachricht: Es scheint, als ob der Cannabis-Konsum zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren stagniert. Vor allem bei Jugendlichen sinkt die Beliebtheit.
Heroin.
Stabil ist auch der Heroinkonsum, wo das Alter der Abhängigen in Europa konstant steigt, während es keine Belege dafür gebe, dass die Zahl der jungen Menschen, die an der Nadel hängen, zunimmt. Allerdings gibt es Indizien dafür, dass Heroin in einigen Ländern, darunter Österreich, durch synthetische Drogen abgelöst werden könnte.
8000 Drogentote.
Insgesamt starben im Vorjahr in den 27 EU-Ländern, in Norwegen und der Türkei gut 8000 Menschen an einer Überdosis. Rückläufigen Tendenzen sind keine erkennbar. Im Gegenteil. In Österreich, Griechenland, Portugal und Finnland sind die Todesfälle um mehr als 30 Prozent gestiegen. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass immer häufiger mehrere Drogen zugleich konsumiert werden, was das Risiko tödlicher Überdosierungen erhöht.
Features
Alarmierend
Österreichs Drogenpolitik ist offenbar nicht ganz
so gut, wie es das Gesundheits-
ministerium seit Jahren darstellt. Die
Zahl der Drogentoten ist 2007 erneut - nunmehr 197
(2006: 191) - gestiegen. Es gibt offenbar unter jungen Menschen einen
Trend zum "kaputten" Missbrauch auch illegaler Substanzen.
Therapien
Positiv ist, dass mit Ende 2006 in Österreich bereits 8.120 Opiatabhängige in Substitutionstherapie waren. Es gab allein im vergangenen Jahr fast 1.100 "Neuanfänger".











