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Zuletzt aktualisiert: 11.11.2007 um 05:10 Uhr

Anwalt deckt Plagiat von 1688 auf

Abkupfern hat (auch in Kärnten) eine lange Tradition. Das zeigt ein Fall mit ehrwürdigen Beteiligten.

Dass Plagiieren und Abkupfern überaus unterhaltsam sein können, beweist der Rechtsanwalt Michael Krautzer aus Ferndorf. "Für 4000 Euro habe ich eine Erstausgabe der Kärntner Ansichten von dem berühmten Johann Weichard Valvasor aus dem Jahr 1688 erstanden. Doch als ich die Kärnten-Karte sah, dachte ich: ,Die kennst du doch schon!'"

"Abgekupfert." Krautzers Ahnung hatte ihn nicht betrogen. Das wurde dem Bücherliebhaber klar, als er den Nachdruck der Kärnten-Karte des noch berühmteren Verlegers und Kupferstechers Matthäus Merian zu Gesicht bekam, die bereits 1649 - also 39 Jahre früher - entstanden war.

Sofort aufgefallen. "Mir ist sofort aufgefallen, dass die beiden Karten praktisch identisch sind, einschließlich der originellen Lage des Wörthersees (Werd See), der eingezeichneten Waldgebiete und des Umstandes, ein Symbol für Klagenfurt einzusetzen. Bei diesem Kartenkupferstich ist der Ausdruck ,abkupfern' im doppelten Wortsinn zutreffend", amüsiert sich Krautzer.

"Kein Copyright." "Raubkopien waren damals durchaus üblich und über Jahrhunderte gab es keinerlei Copyright", weiß Landesarchiv-Direktor Wilhelm Wadl - und nennt einen noch krasseren Fall von Plagiat: "Michael Gotthard Christallnik hat bis 1588 für die Stände die erste vollständige Geschichte Kärntens verfasst und das Werk als bloße Handschrift seinem Auftraggeber Hieronymus Megiser, dem Rektor der Landschaftsschule, überreicht. Megiser erwähnte Christallnik nur beiläufig und gab das zweibändige Werk 1612 als sein eigenes heraus. Das flog erst auf, als Christallniks handschriftliche Chronik entdeckt wurde."

Schwacher Trost. Ein schwacher Trost für Plagiatsopfer: "Nicht einmal Goethe konnte sich davor schützen, dass von ihm abgeschrieben wurde."

Amüsante Geschichte. Doch zurück zum Abkupfer-Aufdecker Michael Krautzer. Hat er jetzt mehr Freude an seinem 4000-Euro-Buch oder ärgert er sich über das Werk eines Schummel-Schurken? Krautzer lacht: "Das ist mir völlig egal. Eines aber gefällt mir: Wann immer ich das Buch jemandem zeige, dann kann ich diese amüsante Geschichte erzählen."

JOCHEN BENDELE

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