Drei-Schluchten-Desaster
Durch den größten Staudamm der Welt verlieren rund fünf Millionen Chinesen ihr Zuhause. Muren und die Qualität des Wassers im Stausee, der das Trinkwasser liefert, drohen jetzt zur Katastrophe führen.

Foto © APADer Katastrophen-Damm
Zuerst dachten die Bewohner von Changziyan an ein Erdbeben. "Es gab einen Knall, ein ohrenbetäubendes Rrruuumm und alles hat gewackelt", erzählt die Bäuerin Huang. Als sie ins Freie lief, sah sie, dass der ganze Hang, an dem das 300-Seelen-Dorf liegt, abgerutscht war. Oberhalb des Ortes klaffte ein meterbreiter Riss, unten flossen die braunen Fluten des Jangtse.
Beinahe alles verschluckt.
Wäre der Erdrutsch stärker gewesen, hätten sie Changziyan mit allen Häusern, Feldern und Menschen verschluckt. "Die Beamten sagen, der Damm sei schuld", sagt Huang, "dass wir Changziyan für immer verlassen müssen."
Sie steht in dem Orangenhain vor ihrem Haus und schaut auf Chinas längsten Fluss. Seitdem gut hundert Kilometer stromabwärts die größte Talsperre der Welt gebaut wurde, hinter der sich 600 Kilometer weit das Wasser staut, kommt der Jangtse dem Dorf Meter um Meter näher. Und jetzt auch das Dorf dem Fluss.
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Millionen mussten siedelnFoto © Reuters
Angst geht um.
Wie in Changziyan fürchten sich die Menschen in vielen Ortschaften vor dem nächsten Rutsch. Denn die steigenden Wassermassen beeinträchtigen die Statik der Berghänge. An 91 Stellen gab es schon massive Erdrutsche, sagte kürzlich ein Regierungsbeamter. Auf 36 Kilometern Länge brach das Ufer ein. Dabei entstehen mitunter Wellen, die bis zu 50 Meter hoch auf dem anderen Ufer aufschlagen. Ende Juni starben bei einem solchen Jangtse-Tsunami vier Menschen.
Probleme in Serie.
Noch ein zweites Problem macht den Anwohnern Sorge: Die Wasserqualität im Stausee, der hunderten Ortschaften als Trinkwasserquelle dient, verschlechtert sich dramatisch. Denn die Abwässer von Fabriken und Städten werden meist ungeklärt in den Jangtse geleitet. Doch statt wie bisher flussabwärts gespült zu werden, setzen sich Schwebepartikel nun wegen der langsameren Fließgeschwindigkeit am Flussbett ab oder sammeln sich hinter der Staumauer. Der Jangtse droht zur Klärgrube zu werden.
Die Warnungen vor diesen Problemen sind so alt wie die
Idee des Mammutprojekts selbst. Doch während die Regierung bisher jegliche öffentliche Kritik unterdrückte, gesteht sie seit kurzem offen ein, dass der Damm "zu einer Katastrophe führen kann".
Wegen der Erdrutsche will Peking in den nächsten zehn bis 15 Jahren vier Millionen Menschen umsiedeln - zusätzlich zu den 1,4 Millionen, die bereits ihre Heimat verlassen mussten.
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Die Bauarbeiten für den weltgrößten Staudamm am Jangtse-Fluss begannen 1994. Die Staumauer bei Yichang ist rund 2300 Meter lang und 185 Meter hoch.
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Fengjie, eine der "verschluckten" StädteFoto © APA
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Hinter dem Damm entsteht ein über 600 Kilometer langer Stausee, dessen Wasser-
spiegel rund 65 Meter über dem ursprünglichen liegen soll. Dabei wird unter anderem das wegen seiner Landschaft berühmte Drei-Schluchten-Gebiet überschwemmt.
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