Tabletten sind beliebter als Therapien
Nach Urteil gegen Arzt fordern Experten bessere Therapie-Angebote. Mediziner verschrieb einer Patientin zu starke Beruhigungsmittel.
Das hat es bei uns noch nie gegeben", sagt Ärztekammer-Chef Othmar Haas. Wie exklusiv berichtet, wurde ein praktischer Arzt aus Kärnten verurteilt, weil er einer Patientin Beruhigungsmittel verschrieben hat, die zu stark dosiert waren. Er muss eine Geldbuße von 2500 Euro bezahlen. "Sobald das Urteil rechtskräftig ist, befasst sich die Disziplinar-Kommission mit dem Fall", bekräftigt Haas.
Internes Verfahren.
Sollte ein internes Verfahren eingeleitet werden, könnte das mit einen Verweis für den Arzt enden oder sogar mit einem Berufsverbot. Doch vom Einzelfall abgesehen, wirft der Prozess die brisante Frage auf: Werden starke Psychopharmaka zu schnell verschrieben? Prominente Ärzte ließen heuer im Zuge einer Buchpräsentation aufhorchen: "In Österreich sterben pro Jahr bis zu 3000 Patienten an Arzneimittel-Nebenwirkungen."
Mehr Psychopharmaka.
Eine Reihe anerkannter Psychiater sprach bereits zuvor eine besorgniserregende Tendenz an. "Zurzeit wird in Österreich fünfmal mehr Geld für Psychopharmaka ausgegeben als für Psychotherapie", so die Experten. Auch für GKK-Direktor Alfred Wurzer ist klar: "Die Psychopharmaka-Verschreibungen sind steigend." Haas beteuert: "Ich persönlich bin da eher zurückhaltend. Aber natürlich ist das immer eine individuelle Entscheidung des Arztes." Ein Beispiel aus der Praxis: Nach einem Todesfall in der Familie suchte eine Kärntnerin ihren Hausarzt auf. Sofort bekam sie Praxiten verschrieben, also Psychopharmaka.











