Fieberthermometer-Umtauschaktion führt zu Engpässen
Unvorstellbar - mehr als 600.000 Quecksilber-Fieberthermometer wurden seit 9. Oktober in Apotheken abgegeben. Gerechnet hatte man mit 50.000. Die Folge: Engpässe.

Foto © APAGroßer Erfolg: Jetzt gehen die Fiebermesser aus
"Ein Wahnsinn", stöhnt Doris Binder-Krenn, Chefin der Neutor-Apotheke in Graz. "Dass unsere Umtauschaktion der Quecksilber-Fieberthermometer gegen neue digitale so arg wird, hab' ich nicht erwartet." Mit 50.000 Exemplaren hatte die Apothekerkammer gerechnet - und jetzt sind es in ganz Österreich weit über 600.000.
Fiebermesser. "Wir zählen die abgegebenen Fiebermesser gar nicht mehr, nach einer Woche waren es schon 500.000, was einer Menge von 500 Kilogramm Quecksilber entspricht", heißt es aus der Apothekerkammer. "Das ist die größte und erfolgreichste Umweltaktion im Abfallbereich", freut sich auch Umweltminister Josef Pröll.
EU-Richtlinie. Der Grund für diese Umtauschaktion kommt jedoch aus Brüssel. Der Verkauf von quecksilberhältigen Messgeräten ist in der EU ab 2009 verboten. Lebensministerium und Apotheken wollten Österreichs Haushalte aber bereits jetzt quecksilberfrei machen, denn Quecksilber ist ein sehr giftiges Schwermetall, "das den Nachteil hat, dass es nicht abgebaut wird und als Element bestehen bleibt, was immer man anstellt", warnt Eckhard Beubler, Pharmakologe der Med-Uni Graz. Beim Einatmen werden über 80 Prozent des vorhandenen Quecksilberdampfes resorbiert, was zu Lungenödem und langen Schädigungen führen kann.
Aufwändig. "Eine wirklich gute Aktion", betont die Neutor-Apothekerin, "aber ungeheuer aufwändig. Durch diese unvorstellbare Menge ist das für uns alle ein großer Verlust und deshalb ärgere ich mich sehr, dass es Leute gibt, die völlig unreflektiert Leserbriefe schreiben und meinen, dass sich da jemand mit dem gesammelten Quecksilber krumm und dämlich verdient." Ins selbe Horn stößt die Apothekerkammer: "Finanziert wird die Aktion, indem jeder Beteiligte kostenlos mitarbeitet, von der Auslieferung der Firma Herba über die Apotheker bis zur Entsorgung durch Saubermacher Roth."
Mehrkosten. Ob das reicht, die Mehrkosten, die nun durch die 600.000 Fieberthermometer entstehen, zu begleichen, muss erst geklärt werden. Sicher ist aber, dass die alten Thermometer per Zug in eine deutsche Untertagsdeponie gebracht werden, wo sie fachgerecht lagern sollen, bis die Forschung einen Weg findet, Quecksilber als Rohstoff wieder verwertbar zu machen, erklärt Saubermacher Hans Roth. Am Donnerstag ist jedenfalls der letzte Tag der Umtauschaktion. Jeder, der sein Quecksilber-Thermometer in einer Apotheke abgibt, erhält ein neues digitales für nur einen Euro statt für 6,30. In vielen Fällen wird man aber auf eine Warteliste gesetzt werden und erhält sein Digi-Messgerät verspätet. "Wer später kommt, hat Pech gehabt", heißt es dazu lapidar in der Apothekerkammer. Doch so mancher Apotheker tauscht ein paar Tage danach auch noch um, erfährt man unter der Hand.













-Anzeigen