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Zuletzt aktualisiert: 23.10.2007 um 05:10 Uhr

"Neffen-Bande" hat eigene Telefonzentrale

Betrüger bringen Pensionisten um Ersparnisse. Täter suchen einsame Menschen, tarnen sich als Verwandte und tun so, als ob sie Geld bräuchten um in die Nähe ihres Opfers zu ziehen. Ein Handlanger verurteilt.

Teilweise wird wie in einem Callcenter vorgegangen: Es gibt Telefonisten, die ihre Opfer bezirzen

Foto © APATeilweise wird wie in einem Callcenter vorgegangen: Es gibt Telefonisten, die ihre Opfer bezirzen

"Sie haben ihre Taten generalstabsmäßig geplant", sagt Staatsanwalt Helmut Jamnig. Eine polnisch-amerikanische Bande spezialisierte sich auf den Betrug, einsamer, betagter Menschen. Mit dem so genannten "Neffen-Trick" hat die Organisation bisher hunderttausende Euro in halb Europa ergaunert. Ein "Handlanger" der Bande wurde gestern am Landesgericht Klagenfurt verurteilt. Der Trick Täter: Sie suchen im Telefonregister nach Menschen mit antiquierten Vornamen wie "Hermine" oder "Gertrud". Dann rufen sie die Frauen nach der Reihe an - so lange, bis eine Person, auf ihre Masche hereinfällt.

Mieser Trick. "Hallo Tante Gertrud, ich bin es, kannst Dich noch erinnern...", sagt der Betrüger. Und das Opfer: "Was? Der Max..."

"Spiel mit Einsamkeit". Und so nimmt das Spiel seinen Lauf. "Es ist ein Spiel mit der Einsamkeit älterer Menschen", weiß der Staatsanwalt. Der Neffe, der sich meldet, will sich meistens in der Nähe der einsamen "Verwandten" eine Wohnung kaufen. "Die Anzahlung dafür braucht er ganz schnell," weiß Jamnig. Und die über 80-jährigen "Tanten" "helfen", indem sie dem Neffen die Ersparnisse leihen.

Perfekt organisiert. Ankläger Jamnig sagt: "Die Bandenmitglieder starten ein Feuerwerk von Anrufen, bis sie ein geeignetes Opfer herausfiltern." Gearbeitet werde wie in einem Callcenter: Es gibt Telefonisten, die ihre Opfer bezirzen. Und es gibt Logistiker, die so genannte "Abholer oder Abkassierer" zu den Wohnungen der alten Menschen schicken.

"Abholer". "Das ist alles gesteuert", sagt Jamnig. Ein 25-jähriger Pole mit amerikanischen Pass war als Abholer tätig und wurde gestern zu 21 Monaten Haft, sieben davon unbedingt verurteilt. "Ich wurde in einem Restaurant von jemanden angesprochen, ob ich Arbeit brauche", erzählte der Mann. Er war als "Abholer" auf drei Kärntnerinnen angesetzt worden. Sie sollten insgesamt 109.000 Euro zahlen. Eines der Opfer in Klagenfurt schöpfte Verdacht und schaltete die Polizei ein. "Die Frau war heldenhaft. Sie telefonierte mit den Betrügern und tat so, als ob sie auf die Tricks hereinfallen würde. Dann meldete sie sich bei der Polizei. Auf dem Weg zur Wohnung der Anruferin wurde der 25-Jährige verhaftet.

MANUELA KALSER

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