Eignungstests für Lehrer: Prüfung auf Herz und Verstand
Wer Pflichtschullehrer werden will, muss sich neuerdings in der Steiermark einem Eignungstest stellen. Ein mehrstündiger Selbstversuch - mit so manchem Stolperstein.

Foto © APALehrer zu werden war schonmal einfacher...
Ein Klassenzimmer. Eine verloren dastehende Pinwand. Ein freundliches Prüferduo: "Können Sie uns erzählen, warum Sie Lehrer werden wollen?"
Eine aufgelegte Frage, schließlich musste man für das mehrstufige Eignungsverfahren zum Pflichtschullehrer an der Päda
gogischen Hochschule Steiermark bereits im Vorfeld ein "Motivationsschreiben" abliefern.
Erstmal via Internet.
Aber das ist auch nur einer der Schritte, die in dem aufwendigen Verfahren vorgesehen sind. Einen (eher simplen) Selbsteinschätzungstest vom Bundesministerium muss man via Internet absolvieren, im Juli gab es zudem einen eintägigen Orientierungsworkshop mit Informationen und Gruppenarbeit. Ziel der Übungen: Nur solche Bewerber sollen aufgenommen werden, die als Lehrer geeignet erscheinen.
Zurück zur Prüfung auf Herz und Verstand: Das persönliche Gespräch, das eine Dreiviertelstunde dauert, geht in die Tiefe. Kompetenzen, Stärken und Schwächen werden abgefragt. Welche Zusatzqualifikationen oder Erfahrungen gibt es? Schließlich die Frage: "Zuletzt gab es eine Bildungsdiskussion. Was ist Ihre Meinung dazu?" Die "Prüfung" wird zum Gespräch.
Thema Bruchrechnen.
Dann die Überraschung: "Stellen Sie sich eine Klasse vor. Erklären Sie, wie Sie eine Schulstunde aufbauen würden. Zwei Minuten dürfen Sie sich vorbereiten - oder auch gleich loslegen."
Ich wähle spontan Bruchrechnen, schließlich bewerbe ich mich fiktiv als Hauptschullehrer für Mathematik, Zweitfach Physik. Was tun, wie erklären, wie mit renitenten, mit schwachen Schülern umgehen? Man kommt ins Schwitzen, trotz mancher Erfahrungen. Und doch: Gerade diese Frage wird später bei der Bewertung eine Schlüsselrolle spielen.
Schwerer als bei Medizin.
Das ist eben kein simpler Aufnahmetest wie etwa für Medizin. Keine Fragebögen mit Antworten zum Ankreuzen, die nur Stoff abfragen. Jeder wird persönlich begutachtet, das Auftreten, die Souveränität und Spontaneität, das Einfühlungsvermögen. Das erfordert enormes Engagement der Professoren. Finanziert wird das bisher noch nicht.
Es folgt ein Sprechtest. Dutzende "Sch"-Wörter und "R"-Wörter in einem Zungenbrecher-Test. Hat der Bewerber einen Sprachfehler? Wenn ja, ist das zwar nicht unbedingt ein Hinderungsgrund, aber Anlass, extra Sprechunterricht während der dreijährigen Ausbildung zu belegen.
Drei Stunden...
Normalerweise steht nun fest, ob jemand geeignet ist. Im Zweifelsfall folgt ein psychologischer Test samt Gespräch, das vom Psychologie-Institut der Uni Graz ausgearbeitet und betreut wird. Ich unterziehe mich jedenfalls den 250 Fragen, und mir raucht der Kopf. Doch das Gutachten ist ein Eckpfeiler, wenn es zu einem negativen Bescheid kommt. Allerdings: Spätestens jetzt erkennen die meisten selbst, dass sie besser einen anderen Beruf wählen sollten.
Drei Stunden sind vergangen, ehe das Konsilium befindet: "Wir würden Sie gerne aufnehmen", heißt das erfreuliche Ergebnis, das sorgfältig begründet wird.
Alle Hürden genommen, allen Stolpersteinen ausgewichen - doch der Elchtest kommt natürlich erst. Für die anderen.
Features
Eignungsverfahren
Zunächst meldeten sich 290 Maturanten zur Voran-










