Ein bisschen Finnland für die Steiermark
Das Land greift ab sofort Gemeinden bei der Jugendarbeit stärker unter die Arme, Landesrätin Bettina Vollath öffnet neue Förderschiene. Inspiration für die Jugend-Strategie holte man sich in Finnland.

Foto © APAInspiration für die Jugend-Strategie aus Finnland
Wie machen es eigentlich die Finnen?", fragt man seit Jahren in halb Europa, wenn es etwas zu reformieren gibt. Das Vorbildland im Bildungsbereich war dieser Tage auch Ziel von Landesrätin Bettina Vollath (SP). Das Interesse der steirischen Delegation mit Vollath an der Spitze, die zuletzt ja die Niederlage in der Fachhochschuldiskussion zu verdauen hatte, galt der Jugendarbeit im skandinavischen Reformstaat.
Förderung.
Daheim hat die Landesrätin am Mittwoch eine neue Förderschiene für die Jugendarbeit präsentiert: Gab es für Jugendzentren bisher nur projektbezogen Landesgeld, bekommen die Gemeinden ab sofort bis zu 50 Prozent der Personalkosten vom Jugendressort retour. Rund zwei Millionen Euro hat Vollath für heuer und nächstes Jahr reserviert, "eine Budgetsteigerung von knapp 300 Prozent", freut sich die Landesrätin.
Rüchschritt.
Was in der Steiermark im Jugendbereich schon als großer Erfolg gesehen wird, wäre in Finnland wohl ein Rückschritt: Auch wenn ein direkter Vergleich schwierig ist, blieb den meisten Steirern bei der Exkursion in Finnland der Mund offen, als sie hörten, was (sich) die Stadt Helsinki im Bereich Jugendarbeit leistet: Mit derzeit 24 Millionen Euro fließen 0,7 Prozent des Stadtbudgets in mehr als 50 Jugendzentren, die Jugendabteilung zählt 350 Mitarbeiter. Dabei ist Helsinki mit rund 550.000 Einwohnern etwa halb so groß wie die Steiermark, die insgesamt auf keine 45 Einrichtungen wie Jugendhäuser und Jugendtreffpunkte kommt. "Der Anteil an Gesamtbudgets bewegt sich im Promillebereich", bekennt Vollath. In vielen Gemeinden müsste Jahr für Jahr aufs Neue um die Finanzierung gerungen werden.
Lichtjahre.
Das soll sich jetzt ändern, denn durch die Kofinanzierung sollen Anreize für die Gemeinden geschaffen werden, mehr in die Jugendarbeit zu investieren. Die an die Förderung geknüpften Bedingungen sollen die Qualität steigern. Bei der Quantität ist man den Skandinaviern ohnehin um Lichtjahre hinten nach: In Graz entfällt laut einer Studie auf 2000 Jugendliche ein Jugendarbeiter, in Helsinki hat ein Beschäftigter nicht einmal 200 potenzielle Klienten.
Finnischer Ehrgeiz.
Alles in Ordnung ist natürlich auch im Vorbildland Finnland nicht. Was aber ins Auge sticht: Wenn es ein Problem gibt, dann will man es angehen und Lösungen finden, jenseits aller weltanschaulichen Differenzen. Und dafür gibt es dann auch die entsprechenden Mittel. Die Finnen lassen auch keine Zweifel daran, dass die Allgemeinheit eine besondere Verantwortung für den Jugendbereich hat.
In der Steiermark erklärt sich das Land mit der Kofinanzierung jetzt erstmals zuständig. Für Vollath "ein Meilenstein". Zumindest ein bisschen Finnland.
Features
Fakten
Für die "offene Jugend-
arbeit" jenseits von Schule oder Vereinen hatte das Land noch 2006 nur 310.000 Euro budgetiert, für 2007 und 2008 stehen insgesamt 2 Millionen Euro bereit.
Mit den zusätzlichen Mitteln werden Jugendhäuser in Gemeinden finanziert, wenn diese Qualitäts-
standards bei Personalaus-
bildung und inhaltlichem Konzept erfüllen und entsprechende Öffnungs-
zeiten haben.











