Abschiebungen: Demo für Arigona
Rund 500 Menschen - allen voran Prominente sowie Politiker von SPÖ, ÖVP und den Grünen - nahmen an der Protestkundgebung am Samstag in Frankenburg (Bezirk Vöcklabruck) teil.

Foto © APADie 15-jährige Arigona Zogaj in dem Amateurvideo
Eine Protestkundgebung für die teilweise abgeschobene
Familie Zogaj hat am Samstag in Frankenburg (Bezirk Vöcklabruck), wo
sie seit fünf Jahren lebte, stattgefunden. Rund 500 Menschen - allen
voran Prominente sowie Politiker von SPÖ, ÖVP und den Grünen - nahmen
nach Angaben der Polizei daran teil. Texte wie "Lasst die Zogajs in
Österreich" und "Herr Minister, bitte holen Sie unsere Freunde
zurück" waren auf den zahlreichen Transparenten zu lesen.
Aufenthaltsrecht.
Alle Asylverfahren, die fünf Jahre und länger dauern, müssten
geprüft und gegebenenfalls sofort ein Aufenthaltsrecht erteilt
werden, forderte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) in ihrer
Ansprache. "Wer am rechten Rand fischen will, der soll zu den
Freiheitlichen gehen", erklärte ihr Parteikollege und Soziallandesrat
Josef Ackerl in Richtung der ÖVP.
Verrückt.
"Sind denn alle verrückt in der Bundesregierung?", fragte der
grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger. Gottfried Hirz, Obmann
der Grünen im Oberösterreichischen Landtag, verlangte ein humanitäres
Bleiberecht für die Familie Zogaj, sonst sei Innenminister Günther
Platter (V) "rücktrittsreif". "Wenn Asylverfahren so lange dauern,
hat die Republik ihr Recht verwirkt", betonte Landtagspräsidentin
Angela Orthner, seit kurzem Integrationssprecherin der ÖVP
Oberösterreich. In ihrer Rede, die immer wieder von Pfiffen und
Buhrufen unterbrochen wurde, erklärte sie, dass sie sich für schnelle
aber, trotzdem sorgfältige Verfahren einsetze.
Heimat.
Es könne nicht sein, dass eine Partei Wahlkampf betreibe, indem
sie kleine Kinder in den Kosovo abschiebe, erklärte Fernsehmoderator
und Schauspieler Alfons Haider. Das könne nicht sein, "das ist nicht
meine Heimat". Der Autor Franzobel reagierte in seiner Rede auf
Platter, der erklärt hatte, dass der Staat nicht erpressbar sein
dürfe. "Wie soll ein 15-jähriges Mädchen den Staat erpressen?",
fragte der Schriftsteller. Das könnten allenfalls Terroristen und
Geiselnehmer.
Bleiberecht.
Bei der Kundgebung, die auch am Haus der betroffenen Familie
vorbeiführte und bei der erneut die Videobotschaft der
untergetauchten Arigona gezeigt wurde, wurde einmal mehr an den
einstimmigen Gemeinderatsbeschluss für ein Bleiberecht der Zogajs
erinnert. Die "Nacht-und-Nebel-Aktion", in der die Familienmitglieder
teilweise abgeschoben wurden, sei "unmenschlich" gewesen, sagte
Bürgermeister Franz Sieberer (S): "Das gehört nicht hierher nach
Österreich."
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Gut integriert
Die siebenköpfigen Familie lebte seit 2002 im Bezirk Vöcklabruck und war nach Ansicht der Gemeinde gut integriert.












