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Zuletzt aktualisiert: 21.09.2007 um 08:25 Uhr

Hochwasser in Slowenien: "Es war wie am Jüngsten Tag"

Mindestens sechs Menschen verloren in den Fluten ihr Leben. Besonders schlimm betroffen ist der Norden des Landes - dort herrscht der Ausnahmezustand.

Manche Gemeinden sind von der Umwelt völlig abgeschnitten

Foto © Iztok Golob / ?urnal24Manche Gemeinden sind von der Umwelt völlig abgeschnitten

Sechs Tote, Tausende zerstörte Häuser, Hunderte unterbrochene Straßen und weggeschwemmte Brücken. Drei Tage nach den katastrophalen Unwettern vom Dienstag steht Slowenien unter Schock. "Es war, als ob der Jüngste Tag gekommen wäre", sagte eine Bewohnerin des Oberkrainer Ortes Skofja Loka der Tageszeitung "Delo". Innerhalb weniger Stunden war im Norden des Landes doppelt so viel Regen gefallen wie sonst im ganzen Monat, reißende Sturzbäche und Muren zogen eine Spur der Verwüstung durch zahlreiche Orte.

Nationaler Trauertag in Slowenien. Während Medien schon von der größten Naturkatastrophe in der slowenischen Geschichte sprechen, erklärte die konservative Regierung von Ministerpräsident Janez Jansa den heutigen Freitag zum nationalen Trauertag. Die Fahnen an allen öffentlichen Gebäuden werden auf Halbmast gesetzt und nach dem Willen der Regierung sollen auch alle Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt oder zu Solidaritätsaktionen für die Opfer der Umweltkatastrophe umfunktioniert werden. Die Fernseh- und Radiosender wurden aufgefordert, auf Unterhaltungssendungen zu verzichten. Auch die Kandidaten bei der Präsidentenwahl am 21. Oktober verständigten sich auf eine Anstandspause, obwohl am Freitag eigentlich die einmonatige Wahlkampagne beginnen sollte.

200 Millionen Euro Schaden. Die Regierung schätzt die Schadenssumme auf für slowenische Verhältnisse astronomische 200 Millionen Euro. Allein in der Untersteiermark wurden an die 3.000 Häuser, 108 Unternehmen und 46 Brücken durch Überschwemmungen und Erdrutsche zerstört. In den gebirgigen Gebieten von Oberkrain sind einige Dörfer nach den Murenabgängen immer noch von der Außenwelt abgeschnitten und das gesamte Ausmaß der Schäden ist noch kaum abzuschätzen.

Ort von Gerölllawine überrollt. Am härtesten traf es die Gemeinde Zelezniki, die buchstäblich von einer Gerölllawine überrollt wurde. Dutzende Bewohner wurden wegen der völligen Zerstörung ihrer Häuser obdachlos, etwa 100 Autos wurden weggeschwemmt. Drei Menschen starben in den reißenden Fluten. Bei einer live aus Zelezniki übertragenen Diskussionssendung des kommerziellen Fernsehsenders POP TV erhoben die Bewohner am Donnerstagabend schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Kritisiert wurde nicht nur das schleppende Tempo der Aufräumarbeiten durch Feuerwehr, Armee und Zivilschutz. Politiker gaben zu, dass es anders als bei Katastrophenfällen üblich in manchen Gemeinden keine Sirenenwarnung für die Bewohner gegeben habe.

Umweltschützer fordern Umdenken. Experten fordern vor allem ein Umdenken in der Raumplanung. So lebt Schätzungen zufolge ein Drittel der Slowenen in Überschwemmungsgebieten, die trotzdem weiter besiedelt würden. Eine verfehlte Wildbachverbauung tue ihr Übriges, kritisierte der Umweltexperte Anton Komat in POP TV.


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Fakten

In Slowenien leben rund zwei Millionen Menschen, davon rund 300.000 in der Haupt-stadt Ljubljana, dem früheren Laibach. Mit einer Fläche von 20.000 Quadratkilometern ist das Land nur halb so groß wie die Schweiz. Slowenien trat 2004 als einzige der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens der EU bei.

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