Hochwasser in Slowenien: "Es war wie am Jüngsten Tag"
Mindestens sechs Menschen verloren in den Fluten ihr Leben. Besonders schlimm betroffen ist der Norden des Landes - dort herrscht der Ausnahmezustand.

Foto © Iztok Golob / ?urnal24Manche Gemeinden sind von der Umwelt völlig abgeschnitten
Sechs Tote, Tausende zerstörte Häuser,
Hunderte unterbrochene Straßen und weggeschwemmte Brücken. Drei Tage
nach den katastrophalen Unwettern vom Dienstag steht Slowenien unter
Schock. "Es war, als ob der Jüngste Tag gekommen wäre", sagte eine
Bewohnerin des Oberkrainer Ortes Skofja Loka der Tageszeitung "Delo".
Innerhalb weniger Stunden war im Norden des Landes doppelt so viel
Regen gefallen wie sonst im ganzen Monat, reißende Sturzbäche und
Muren zogen eine Spur der Verwüstung durch zahlreiche Orte.
Nationaler Trauertag in Slowenien. Während Medien schon von der größten Naturkatastrophe in der
slowenischen Geschichte sprechen, erklärte die konservative Regierung
von Ministerpräsident Janez Jansa den heutigen Freitag zum nationalen
Trauertag. Die Fahnen an allen öffentlichen Gebäuden werden auf
Halbmast gesetzt und nach dem Willen der Regierung sollen auch alle
Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt oder zu
Solidaritätsaktionen für die Opfer der Umweltkatastrophe
umfunktioniert werden. Die Fernseh- und Radiosender wurden
aufgefordert, auf Unterhaltungssendungen zu verzichten. Auch die
Kandidaten bei der Präsidentenwahl am 21. Oktober verständigten sich
auf eine Anstandspause, obwohl am Freitag eigentlich die einmonatige
Wahlkampagne beginnen sollte.
200 Millionen Euro Schaden. Die Regierung schätzt die Schadenssumme auf für slowenische
Verhältnisse astronomische 200 Millionen Euro. Allein in der
Untersteiermark wurden an die 3.000 Häuser, 108 Unternehmen und 46
Brücken durch Überschwemmungen und Erdrutsche zerstört. In den
gebirgigen Gebieten von Oberkrain sind einige Dörfer nach den
Murenabgängen immer noch von der Außenwelt abgeschnitten und das
gesamte Ausmaß der Schäden ist noch kaum abzuschätzen.
Ort von Gerölllawine überrollt. Am härtesten traf es die Gemeinde Zelezniki, die buchstäblich von
einer Gerölllawine überrollt wurde. Dutzende Bewohner wurden wegen
der völligen Zerstörung ihrer Häuser obdachlos, etwa 100 Autos wurden
weggeschwemmt. Drei Menschen starben in den reißenden Fluten.
Bei einer live aus Zelezniki übertragenen Diskussionssendung des
kommerziellen Fernsehsenders POP TV erhoben die Bewohner am
Donnerstagabend schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Kritisiert wurde
nicht nur das schleppende Tempo der Aufräumarbeiten durch Feuerwehr,
Armee und Zivilschutz. Politiker gaben zu, dass
es anders als bei Katastrophenfällen üblich in manchen Gemeinden keine Sirenenwarnung für
die Bewohner gegeben habe.
Umweltschützer fordern Umdenken. Experten fordern vor allem ein Umdenken
in der Raumplanung. So lebt Schätzungen zufolge ein Drittel der
Slowenen in Überschwemmungsgebieten, die trotzdem weiter besiedelt
würden. Eine verfehlte Wildbachverbauung tue ihr Übriges, kritisierte
der Umweltexperte Anton Komat in POP TV.
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Fakten
In Slowenien leben rund zwei Millionen
Menschen, davon rund 300.000 in der Haupt-












