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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2007 um 20:46 Uhr

Rückspiegelung eines SS-Mannes

Richard Kriesche transformierte ein Kärntner NS-Gemälde in einen Spiegel der Demokratie.

Wie sollen wir mit dem kulturellen Erbe der NS-Zeit umgehen? Demontieren und in einem Depot verschwinden lassen, wie im Falle von Lobissers "Anschluss"-Fresken im Kärntner Landhaus, oder sichtbar machen und mit zeitgenössischen Mitteln konterkarieren?

Kunst und Zeit. Richard Kriesche hat sich stets für Letzteres entschieden. Als vor einigen Jahren bei Renovierungsarbeiten an der Universität Graz ein Fresko mit Hakenkreuzfahne zum Vorschein trat, beauftragte man den prominenten Medienkünstler mit der Lösung des Problems. Kriesche beließ das NS-Gemälde an Ort und Stelle und blendete ihm lediglich eine Glastafel mit zeithistorischem Kommentar vor.

Transparent machen. Derselben Methode des Transparentmachens von Geschichte bediente sich der Künstler nun auch bei einem Gemälde in der Klagenfurter Khevenhüller-Kaserne. Seit 1943 schaut im dortigen Speisesaal ein riesiger SS-Soldat auf die Rekruten herab. Jahrzehntelang nahm niemand Anstoß an dem 3-Meter-Hünen, auch nicht an dessen Hakenkreuz-Emblemen und SS-Insignien. Letztere wurden zwar vor einigen Jahren schamhaft übermalt, doch ein gewisses Unbehagen blieb. Erst vor sechs Wochen erhielt Kriesche den Auftrag, das bräunliche Wandgemälde einer "Generalrevision" zu unterziehen. Vom neuen Verteidigungsminister und mit einer ministeriellen Kommission als Beistand.

Glas. Der Erinnerungs-Spezialist ließ den Soldaten hinter drei Glasplatten verschwinden, auf denen nun zu lesen ist: "Dieses Bild spiegelt das nationalsozialistische Regime. Seine Niederwerfung brachte Österreich die Freiheit. Diese zu schützen ist Auftrag des Österreichischen Bundesheeres."

Spiegel. "So wie das Bild den Nationalsozialismus spiegelt, so spiegelt der Text das demokratische Österreich wider, spiegelt sich darin zugleich jeder Besucher", erläutert Kriesche sein künstlerisches Konzept. Warum sich dieses erst aus mehreren Perspektiven erschließt, begründet der 66-jährige Grazer so: "Man braucht verschiedene Standpunkte, um den ganzen Text zu erfassen. In der Diktatur gab und gibt es nur einen Standpunkt."

ERWIN HIRTENFELDER

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