Die im Urlaub voll auf Risiko setzen
Wochenenden ohne blaue Flecken sind nicht mehr angesagt. Tausende Steirer suchen derzeit den Kick, den der Alltag nicht mehr bietet. Ein kalkuliertes Risiko?

Foto © APAImmer mehr Leute zieht es zu Extremsportarten - die berühmteste im Bild: Bungee-Jumping
Die neueste Verrücktheit kommt aus den USA und nennt sich Flying Fox (Fliegender Fuchs): An ein Stahlseil angegurtet, wirft man sich zu zweit in eine Schlucht. Fast im freien Fall sind alle Ängste überwunden. Für tausende Steirer gilt offenbar: Spaß macht, wovor man Bammel hat - ein Wochenende ohne Nervenkitzel ist verlorene Zeit.
Etwas erleben. Werner Berger von der Best Adventure Company (BAC) in Pruggern ist Profi auf dem Gebiet der Grenzerfahrung. Sein Ennstaler Unternehmen bietet seit 20 Jahren an, was dem Alltag fremd ist. Abenteuer und Adrenalinstöße. Dass die Nachfrage daran steigt, wundert ihn gar nicht: "Im heutigen Leben ist alles reglementiert, alles verboten. Niemand geht mehr aus sich heraus, man bewegt sich kaum, riskiert nie etwas." Das muss nachgeholt werden, am Wochenende, in kürzester Zeit.
Gäste von überall her. Zur BAC kommen die Tagesgäste deshalb sogar aus Bayern und der Südsteiermark. 15.000 Leute pro Jahr. Noch einmal 25.000 amüsieren sich im familiengerechten Kletterpark - dort kann man auch die Kleinsten in Mini-Ausgaben von Flying Fox & Co. beschäftigen und an den Nervenkitzel gewöhnen.
Falsches Signal. Unternehmern ist dieser Trend zur Gefahr ein Graus. Dieser Tage wurde deshalb sogar laut über einen siebenprozentigen Aufschlag auf Sportartikel nachgedacht (wir berichteten). Jetzt kontert Johannes Schüssler, Gremialobmann des Sportartikelhandels, und nennt das "ein vollkommen falsches Signal". Er dreht den Spieß um: Nicht das Ausüben von Sport, sondern das Nicht-Ausüben führe zu enormem volkswirtschaftlichen Schaden. Schüssler beruft sich dabei auf eine Studie des Sozialministeriums aus dem Jahr 1999. 301,5 Millionen Euro kosten demnach die jährlichen Sportunfälle. Doch weil viele zu wenig Sport machen, verursache das Kosten von 566 Millionen Euro.
Ideale Ergänzung.Fest steht jedenfalls, dass auch die Tourismusbranche die Gefahr liebt. Steiermark Tourismus-Chef Georg Bliem freut sich über die "super Ergänzung und das tolle Zusatzangebot für alle Leute, die bei uns Urlaub machen". Zwischen ein und fünf Prozent der Gäste urlauben übrigens extra wegen ihres Hangs zum Abenteuer im Land.
Scheitern gibt's nicht. Die Folgen sind zuweilen dramatisch. "Den wildesten Einsatz meiner Karriere hatte ich vor ein paar Wochen", schildert ein Sanitäter des ÖAMTC-Notarzthubschraubers C12. "Wir mussten einen Siebenjährigen aus einer senkrechten Kletterwand bergen." Während nämlich Paragleitunfälle drastisch zurückgehen ("Die Geräte werden immer sicherer"), überschätzen viele die Gefahren einer Felswand. "Ganze Familien steigen in Klettersteige und kommen dann weder vor noch zurück." Oft endet so ein kleiner Abenteuer-Ausflug sogar mit dem Tod.
Nicht ganz sicher. Wie auch immer: Werner Berger will naturgemäß auch nicht bestätigen, dass die extremen Varianten des Freizeitsports absolut sicher sind, "sonst wären sie ja nicht extrem und somit uninteressant". Nur so viel: Echte Verletzungen gibt es selten.Eigentlich ein echtes Wunder, denn wie hört sich das für Sie an? Im "Hydro Bronc", einer aufblasbaren Kugel, einen Wildbach hinabstürzen. Dasselbe gibt's beim Hydrospeed, wo man sich an ein Plastikboard klammert. Rafting, Canyoning, Eisklettern und Downhillbiken - wer die Gefahr sucht, kommt ganz auf seine Rechnung. Blaue Flecken inklusive.










