170 Kinder in Österreich vermisst
Natscha Kampusch war der prominenteste Fall: Durchschnittlich sind 150 bis 200 Kinder abgängig. Die meisten sind aber nicht Opfer von Gewaltverbrechen, sondern jugendliche Ausreißer.

Foto © APAOft bleiben nur die Teddys von den Kindern zurück
"Verbrechen sind nicht die Hauptursache für Angängigkeit",
sagt Regine Wieselthaler-Buchmann, die im Bundeskriminalamt (BK) für
Vermisste zuständig ist. Den größten Anteil machen - besonders bei
Jugendlichen - die Ausreißer aus. "Sie laufen wegen familiärer
Schwierigkeiten, wegen der bevorstehenden Zeugnisverteilung oder
wegen Feiertagen wie Weihnachten weg."
Ausreißerhilfe Internet.
Und die Ausreißer setzen sich dabei keine Grenzen. Mit
dem Internet verschaffen sich die Jugendlichen einen ganz anderen
Überblick, ist die Ermittlerin überzeugt. Und mit dem Mobiltelefon
verschaffen sie sich eine gewisse Flexibilität.
Zwei Wochen Urlaub.
Vor zwei Jahren etwa haben zwei 16-jährige Burschen kurz vor
Schulschluss die Kreditkarte des Vaters genommen, um per Internet
zwei Tickets für die Fidschi-Inseln zu kaufen, um dort für zwei
Wochen Ferien zu machen. "Sie haben einfach nicht daran gedacht, dass
sich jemand sorgen machen kann", so Wieselthaler-Buchmann. In den USA war
Schluss mit dem Davonlaufen, die Burschen wurden bereits von der
Polizei erwartet und postum retour geschickt.
Steirische Kindesentführung.
Bei jüngeren Kindern kann laut Wieselthaler-Buchmann der Grund des
Verschwindens oft eine Kindesentziehung durch Mutter oder Vater sein.
"Ein nicht mit der Obsorge berechtigter Elternteil kann die
Entscheidung des Gerichts nicht akzeptieren und übt Selbstjustiz aus,
indem er das Kind entführt." Beispiel dafür ist das Verschwinden der
steirischen Geschwister Ingrid und Phillipp Ehmann. Seit 2004 dürften
die Kinder mit ihrem Vater Johann Ehmann unterwegs sein, dem das
Sorgerecht entzogen wurde und der per Haftbefehl wegen schwerer
Nötigung gesucht wird.
Unfall als Ursache.
Bei einigen ist auch ein Unfall der Grund für ihr Verschwinden.
"Jemand fällt in den hochwasserführenden Fluss, ist von einem Berg
abgestürzt oder in eine Gletscherspalte gefallen." Besonders in
warmen Sommern seien immer sehr viele Wanderer vermisst. "Ein sehr
kleiner Teil machen die Selbstmord oder jene, die einem Verbrechen
zum Opfer gefallen sind, aus", erzählt Wieselthaler-Buchmann.
Anzeige wichtig.
Ganz wichtig ist im Abgängigkeitsfall die Anzeige. "Neben der
Personsbeschreibung darf nichts Verschwiegen werden", sagt
Wieselthaler-Buchmann. Oft wird aus Scham - weil vielleicht das Kind
beim Ladendiebstahl erwischt wurde - der Polizei nicht alles gesagt.
"Das ist aber enorm wichtig, weil wir nur so punktgenau fahnden
können", so die Ermittlerin.
Features
Fakten
In Österreich werden durchschnittlich 750 bis 800 Menschen vermisst, 150 bis 200 sind Kinder und Jugendliche. Wien ist mit der Anzahl der Verschwundenen führend, an letzter Stelle steht das Burgenland.











