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Zuletzt aktualisiert: 05.08.2007 um 19:01 Uhr

170 Kinder in Österreich vermisst

Natscha Kampusch war der prominenteste Fall: Durchschnittlich sind 150 bis 200 Kinder abgängig. Die meisten sind aber nicht Opfer von Gewaltverbrechen, sondern jugendliche Ausreißer.

Oft bleiben nur die Teddys von den Kindern zurück

Foto © APAOft bleiben nur die Teddys von den Kindern zurück

"Verbrechen sind nicht die Hauptursache für Angängigkeit", sagt Regine Wieselthaler-Buchmann, die im Bundeskriminalamt (BK) für Vermisste zuständig ist. Den größten Anteil machen - besonders bei Jugendlichen - die Ausreißer aus. "Sie laufen wegen familiärer Schwierigkeiten, wegen der bevorstehenden Zeugnisverteilung oder wegen Feiertagen wie Weihnachten weg."

Ausreißerhilfe Internet. Und die Ausreißer setzen sich dabei keine Grenzen. Mit dem Internet verschaffen sich die Jugendlichen einen ganz anderen Überblick, ist die Ermittlerin überzeugt. Und mit dem Mobiltelefon verschaffen sie sich eine gewisse Flexibilität.

Zwei Wochen Urlaub. Vor zwei Jahren etwa haben zwei 16-jährige Burschen kurz vor Schulschluss die Kreditkarte des Vaters genommen, um per Internet zwei Tickets für die Fidschi-Inseln zu kaufen, um dort für zwei Wochen Ferien zu machen. "Sie haben einfach nicht daran gedacht, dass sich jemand sorgen machen kann", so Wieselthaler-Buchmann. In den USA war Schluss mit dem Davonlaufen, die Burschen wurden bereits von der Polizei erwartet und postum retour geschickt.

Steirische Kindesentführung. Bei jüngeren Kindern kann laut Wieselthaler-Buchmann der Grund des Verschwindens oft eine Kindesentziehung durch Mutter oder Vater sein. "Ein nicht mit der Obsorge berechtigter Elternteil kann die Entscheidung des Gerichts nicht akzeptieren und übt Selbstjustiz aus, indem er das Kind entführt." Beispiel dafür ist das Verschwinden der steirischen Geschwister Ingrid und Phillipp Ehmann. Seit 2004 dürften die Kinder mit ihrem Vater Johann Ehmann unterwegs sein, dem das Sorgerecht entzogen wurde und der per Haftbefehl wegen schwerer Nötigung gesucht wird.

Unfall als Ursache. Bei einigen ist auch ein Unfall der Grund für ihr Verschwinden. "Jemand fällt in den hochwasserführenden Fluss, ist von einem Berg abgestürzt oder in eine Gletscherspalte gefallen." Besonders in warmen Sommern seien immer sehr viele Wanderer vermisst. "Ein sehr kleiner Teil machen die Selbstmord oder jene, die einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind, aus", erzählt Wieselthaler-Buchmann.

Anzeige wichtig. Ganz wichtig ist im Abgängigkeitsfall die Anzeige. "Neben der Personsbeschreibung darf nichts Verschwiegen werden", sagt Wieselthaler-Buchmann. Oft wird aus Scham - weil vielleicht das Kind beim Ladendiebstahl erwischt wurde - der Polizei nicht alles gesagt. "Das ist aber enorm wichtig, weil wir nur so punktgenau fahnden können", so die Ermittlerin.


Fakten

In Österreich werden durchschnittlich 750 bis 800 Menschen vermisst, 150 bis 200 sind Kinder und Jugendliche. Wien ist mit der Anzahl der Verschwundenen führend, an letzter Stelle steht das Burgenland.

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