Wiener Reichsbrücke: Einsturz jährt sich zum 30. Mal
Das Brückenunglück von Minneapolis erinnert an den Einsturz der Wiener Reichsbrücke: Jenes Unglück jährte sich zum 30. Mal, forderte allerdings nur ein Menschenleben.

Foto © APAEinsturz jährt sich zum 30. Mal
Ein seinerzeit schier undenkbares Unglück jährte sich
zum 30 Mal: Am 1. August 1976 brach die Wiener
Reichsbrücke in sich zusammen. Zwischen 4.30 und 4.40 Uhr stürzte das
Bauwerk in die Donau und riss einen Pkw und einen Bus mit sich in die
Tiefe. Der junge Autofahrer starb, wohingegen der Buslenker
unverletzt geborgen werden konnte.
Glück im Unglück.
Lediglich dem Umstand, dass an einem Sonntag so früh nur wenige
Menschen unterwegs waren, ist es zu verdanken, dass bei dem
Zusammenbruch nicht mehr Tote zu beklagen waren. Der Busfahrer
überstand den Vorfall unverletzt, weil sein Gelenkbus zwar wie der
Pkw in die Donau stürzte, jedoch nicht versank, sondern auf der
Brückruine stehen blieb. Die Erschütterungen waren so stark, dass sie
auf der Erdbebenstation der Hohen Warte registriert wurden.
Neubau.
Der damalige Bürgermeister Leopold Gratz (S) rief zwei Stunden
nach dem Unglück einen Krisenstab ein, bei dem die Überprüfung der
anderen Wiener Donaubrücken angeordnet wurde. Den Beschluss zum
Neubau der Reichsbrücke fasste der Ministerrat bereits zwei Tage
später, am 3. August. Im November 1980 wurde die neue Reichsbrücke
unter dem offiziellen - bis heute ungebräuchlichen - Namen "Johann
Nestroy" eröffnet.
Ursachen.
Nachdem zunächst Gratz seinen Rücktritt angeboten hatte, übernahm
der Wiener SP-Planungsstadtrat Fritz Hofmann die politische
Verantwortung für den Einsturz und schied wenige Tage nach der
Katastrophe aus dem Amt. Eine Expertenkommission gab kurz darauf
bekannt, dass der linke Pfeiler der nach Ende des Zweiten Weltkrieges
sanierten Brücke zum Teil mit Sand und "unverdichtetem Beton" gefüllt
gewesen war. Durch das schlechte Material sei Wasser eingedrungen,
was schließlich zu dem Einsturz führte.
Altersschwach.
Große Auswirkungen hatte der Brückeneinsturz für die
Verkehrsentwicklung der Stadt. So wurde ein Gemeinderatsbeschluss
vorgezogen, der die Verlängerung der U-Bahn-Linie U1 vom Praterstern
über die neue Brücke bis nach Kagran sowie den Neubau der
altersschwachen Floridsdorfer Brücke vorsah. Auch die
Brückenkontrollen wurden intensiviert. Heute wird die - 2003 bis 2005
generalsanierte - Reichsbrücke täglich von rund 50.000 Fahrzeugen,
der U1 sowie von Fußgängern und Radfahrern frequentiert.
Features
Fakten
Die Reichsbrücke ist Wiens bekannteste Donaubrücke und verbindet auf der einen Seite den zweiten Bezirk beim Mexikoplatz mit der Franz-von-Assisi-Kirche, in der Mitte die Donauinsel und auf der anderen Seite den 22. Bezirk (Donaucity und UNO-City, Kaisermühlen).
Foto

Kronprinz-Rudolf-BrückeFoto © APA
Sechsspurig
Die Brücke verfügt über sechs Fahrspuren für Autos (täglich fahren ca. 50.000 Autos über die Brücke) sowie U-Bahntrasse, Geh- und Radwege.










