Heiliger Bulle "Shambo" von britischer Polizei abgeholt
Das Tier einer Hindu-Gemeinschaft in Wales hatte Rindertuberkulose. Die Behörden wollten es schlachten, doch die Gläubigen wollten diese Schändung ihres Heiligtums nicht hinnehmen. Jetzt haben sie den Kampf verloren.

Foto © APDer Bulle wartete in einem extra angefertigten Schrein auf sein Schicksal
Dem heiligen Bullen "Shambo" schlug am
Donnerstag das letzte Stündlein. Mehr als 20 Polizisten führten das
Rind aus einem Hindutempel in Skanda Vale im Westen von Wales ab.
Rund 150 Mönche und "Shambo"-Anhänger hatten den ganzen Tag singend
und betend in und vor dem Tempel ausgeharrt. Viele positionierten
sich als "menschliches Schutzschild", um den Bullen vor dem
Schlachter zu bewahren. Die Polizei konnte jedoch die meisten davon
überzeugen, dass ihr Kampf um "Shambos" Leben längst verloren war,
einige ließen sich aus dem Tempel hinaustragen. Das Rind litt an
Tuberkulose, und die walisische Regierung hatte seinen Tod
angeordnet.
Fakten
Anwälte sahen in "Shambos" Tötung eine Verletzung der Religions- und Meinungsfreiheit.
Tuberkulose-Attest.
Alles begann am 3. Mai, als Tierärzte dem sechs Jahre alten Rind
Tuberkulose attestierten. Eine gefährliche Krankheit, die auch für
Menschen ansteckend ist. Der Bulle sollte innerhalb weniger Tage
geschlachtet werden, um eine Ausbreitung der Tuberkulose zu
verhindern. Daraufhin ging ein Schrei der Empörung durch die
hinduistische Gemeinde in dem klösterlichen Zentrum, das neben
Rindern auch einen Elefanten hält. Im Jahr kommen über 90.000 Pilger
dorthin.
Webkamera.
Die Mönche taten alles, das Tier zu retten. Eine Webkamera,
genannt "Moo-Tube" (Muh-Glotze), wurde installiert. "Shambo" bekam
sogar einen eigenen Internet-Blog, und mehr als 20.000 Anhänger auf
der ganzen Welt unterzeichneten eine Petition gegen den Tod des
Tieres. Überlegt wurde auch, das Rind nach Indien auszufliegen.
Berufung.
Erst vergangene Woche glaubten die Mönche, einen grandiosen Sieg
errungen zu haben, als das Oberste Gericht in Cardiff "Shambo" von
der Schlachtung freisprach. Doch die walisische Regierung legte
Berufung ein - und bekam von einem Londoner Gericht Recht. Die Mönche
bäumten sich ein letztes Mal auf und wollten bis zum britischen
Oberhaus, dem House of Lords, marschieren. Das klappte jedoch nicht.
Features
Live-Berichte
Der Fall "Shambo" hielt sowohl Medien als auch Gerichte seit Mai in Atem. Das Fernsehen berichtete per Live-Schaltung von den letzten Stunden des Bullen.
Heilige Kühe
Auf der ganzen Welt entrüsteten sich Hindus, "Shambos" Tod komme einer "Entweihung" des Tempels gleich. Schließlich gelten Kühe im hinduistischen Glauben als heilig.












