Selbst im Jubel ist der Tod allgegenwärtig
Iraks Fußballer haben mit dem Sensations-Coup beim Asien-Cup das gespaltene Land in einen Freudentaumel gestürzt. Der Tod blieb aber auch im Jubel steter Begleiter - die Feiern forderten sieben Todesopfer.

Foto © APAFeiernde Fußball-Fans im Irak
Der Terror ist im Irak allgegenwärtig. Die Freude ist es nicht. Kein Wunder, dass das vom Krieg gebeutelte Land nach dem sensationellen Sieg der Fußball-Nationalmannschaft im Finale des Asien-Cups über Saudi-Arabien in kollektiven Jubel verfiel. Tausende Menschen tanzten auf den Straßen, bemalten ihre Gesichter und feierten das größte Fest des Landes seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein.
Das Verbot, die traditionellen Freudenschüsse abzufeuern, störte da offensichtlich niemanden. Die Opfer-Bilanz zeigt auf schaurige Art, dass der Tod im Irak auch im Moment des Sieges ständiger Begleiter ist: Sieben Menschen wurden von Querschlägern tödlich verwundet, über 50 wurden verletzt. Und bereits nach dem Halbfinale hatte der Terror die feiernden Fans als "lohnende" Ziele für ihre Selbstmordattentate ausgemacht: 50 Menschen waren schon vor dem Finale zwei Selbstmordanschlägen zum Opfer gefallen.
Neues Vorbild.
Trotzdem: Die Fußball-Nationalmannschaft ist zum neuen Vorbild geworden. Denn dem zerstrittenen Land wurde vor Augen geführt, was man mit Einigkeit zu Wege bringt: Der brasilianische Coach Jorvan Vieira, vor einigen Jahren zum Islam konvertiert, formte aus Schiiten, Sunniten und Kurden ein Team, das über sich hinauswuchs. "Hier ging es nicht um Fußball. Es ging nicht ums Team, sondern um Menschen", hatte der Brasilianer schon vor dem Endspiel erklärt. Nach dem Sieg machte er seine Ankündigung wahr und trat zurück.
Angst vor der Rückkehr.
Die neuen Helden zögern aber, ihren Erfolg in der Heimat zu feiern - so sehr sie sich das wünschen würden. "Ich wünschte, wir könnten das. Aber man weiß nie, wer dich töten will", sagte der zum besten Spieler des Turniers gewählte Younis Mahmoud. Und er weiß wie seine Teamkollegen, wovon er spricht. Kaum einer in der Mannschaft hat im Terror nicht schon ein Familienmitglied verloren. Kurz vor dem Turnier war ein Physiotherapeut dem Terror zum Opfer gefallen.
Träume können wahr werden.
Doch in der Stunde des Triumphes war das alles vergessen, sogar die zerstrittene irakische Regierung zeigte Einigkeit. "Das war eine Lektion, wie man Unmögliches realisieren kann. Eure Freude ist stärker als der Hass", lautete die Botschaft des schiitischen Premierministers. Der kurdische Präsident Jalal Talabani sprach von einem "großen Sieg, der alle Gruppierungen vereint".
Im Fußball ist dieser Schritt bereits Realität. Je schlimmer die Situation im Irak wird, desto größer wird scheinbar die Leidenschaft der Spieler. Von Normalität können sie aber trotzdem nur träumen. Auch wenn sie seit Sonntag wissen: Träume können wahr werden.
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Younis Khalef, der Held des IrakFoto © AP
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In Bagdad feierten die Menschen den Sieg mit spontanen Jubelfeiern auf den Straßen der sonst von Gewalt erschütterten Hauptstadt. Sonst verfeindete Sunniten, Schiiten, Kurden und Turkmenen lagen sich dabei in den Armen.
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Nichts bleibt von der Gewalt verschontFoto © Reuters










