Bleiberecht: Voves will Entscheidungs-Kompetenz für Länder
Der steirische Landeshauptmann plädiert in der Bleiberechtsdiskussion für eine Aufwertung der Länder. Bei Kindergeld-"Härtefällen" will Voves mit Landesmitteln eingreifen.

Foto © APAFranz Voves
In der Bleiberechts-Debatte fordert der steirische
Landeshauptmann Franz Voves (S) nun eine Aufwertung der Bundesländer:
Er möchte die Entscheidung über das "humanitäre Aufenthaltsrecht" für
Ausländer, denen die Abschiebung droht, künftig den Landeshauptleuten
überlassen, wie er im Gespräch mit der Austria Presse Agentur sagt: "Wir wissen über
unsere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister genau Bescheid über jeden
Einzelfall und man muss einfach jeden Einzelfall beurteilen."
Proteste.
Derzeit entscheidet das Innenministerium, ob "humanitäres
Aufenthaltsrecht" gewährt wird oder nicht. In den vergangenen Monaten
hatten sich die Fälle gehäuft, in denen ganze Ortschaften via
Unterschriftenlisten gegen die drohende Abschiebung von gut
integrierten Ausländerfamilien protestiert hatten. "Ich hätte nichts
dagegen, wenn man diese Definierten Einzelfälle den Landeshauptleuten
überträgt", betont Voves.
Schicksal.
Der Landeshauptmann verweist auf den Fall einer kosovarischen
Flüchtlings-Familie im steirischen Mariazell, der die Abschiebung
droht, nachdem das Innenministerium humanitären Aufenthalt verweigert
hatte. "Alle drei Kinder wurden bereits in der Steiermark geboren,
die Bevölkerung sagt, die Familie hat sich total integriert, es gibt
Arbeit, der Familie geht es gut, die Kinder sprechen steirisch - wie
inhuman ist es, die Familie abzuschieben", protestiert Voves: "Hier
sollte die Humanität absolut vor einer Grundsatzgesetzgebung gehen,
gegen die ich grundsätzlich nichts habe."
Kritik an ÖVP.
Im Streit um die Kindergeld-Zuverdienstgrenze fordert Voves eine
Lösung nach Vorbild der Pflege-Amnestie. Sein Vorschlag: Auf
Rückforderungen verzichten, aber für die Zukunft klarstellen, dass
die ab 2008 auf 16.200 Euro erhöhte Zuverdienstgrenze tatsächlich
kontrolliert wird. "Ich kann die Haltung der ÖVP nicht verstehen",
kritisiert Voves das Nein der Volkspartei zu einer Amnestie.
Härtefälle.
"Wenn ein ehemaliger Sozialminister und seine Nachfolgerin der
Meinung waren, das ist nicht zu exekutieren, dann darf man diese
Sache nicht am Rücken der Betroffenen austragen", verweist Voves auf
die Ankündigung von Ex-Sozialminister Herbert Haupt, die
Zuverdienstgrenze nicht zu kontrollieren. Sollte der Bund keine
eigene Härtefall-Regelung schaffen, will Voves mit Landesmitteln
einspringen: "Für Härtefälle, das wissen wir auf Grund der Fallzahlen
genau, würden wir sicher eine Lösung finden."
Features
Einzelfälle
Foto

Land soll Einzelschicksale beurteilen Foto © Reuters
Kindergeld-Modell
Bezüglich der Akzeptanz des neuen Modells hat das Ministerium bereits erste Schätzungen angestellt. Ministerin Kdolsky geht davon aus, dass 60 Prozent der Eltern das alte Modell 30 plus 6 Monate (mit 436 Euro/Monat) nützen werden. 40 Prozent dürften die neue Variante 15 plus 3 Monate (800 Euro/Monat) wählen.










