Berlin sieht erhöhte Terrorgefahr
"Wir haben eine ganze Reihe von Anzeichen dafür, dass Al Kaida Deutschland im Visier hat. Es gibt für Deutschland eine neue Qualität der Bedrohung", so der deutsche Innenstaatssekretär Hanning.

Foto © APADie Angst vor dem Terror wächst auch in Deutschland
Die deutsche Bundesregierung hat
erneut eindringlich vor einer erhöhten Terrorgefahr in Deutschland
gewarnt. "Es gibt eine Menge konkreter Tatbestände bis in die
vergangenen Tage, die dafür sprechen, dass Deutschland stärker in das
Fadenkreuz des internationalen Terrorismus geraten ist", sagte
Innenminister Wolfgang Schäuble der Tageszeitung "B.Z." Dazu gehöre
die Drohung, dass Selbstmordattentäter nach Europa entsandt werden
könnten. Schäuble sprach sich erneut für heimliche
Online-Durchsuchungen aus und erhielt dafür Unterstützung von
Kanzlerin Angela Merkel.
Gefahr durch Al Kaida.
Schäubles Staatssekretär August Hanning wies besonders auf die
Gefahr durch das Terror-Netzwerk Al Kaida hin. "Wir haben eine ganze
Reihe von Anzeichen dafür, dass Al Kaida Deutschland und deutsche
Einrichtungen, etwa Botschaften, im Visier hat. Es gibt für
Deutschland eine neue Qualität der Bedrohung", sagte er der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dem Bericht des Blattes
zufolge kehrten deutsche Islamisten, die in Terrorlagern in Pakistan
ausgebildet worden sein sollen, vor wenigen Wochen nach Deutschland
zurück. Den Innenbehörden sind demnach drei Personen bekannt, die
Anfang Juni nach Deutschland einreisten.
Extra ausgebildet.
"Wir müssen davon ausgehen, dass die Leute, die aus Pakistan
zurückgekehrt sind, Anschläge planen. Das ist eine neue konkrete
Gefahr und für uns ein Grund zur Sorge", sagte Hanning. Neu an der
Bedrohung sei, dass die Islamisten ausdrücklich dafür ausgebildet
würden, um nach Deutschland zurückzukehren.
Heimliche Online-Durchsuchungen.
Schäuble betonte erneut die Bedeutung heimlicher
Online-Durchsuchungen bei Terror-Ermittlungen. Das Bundeskriminalamt
müsse die moderne Computer- und Internet-Kommunikation abschöpfen
dürfen, um terroristische Anschläge zu verhindern. "Darüber gibt es
in der Koalition längst Einigkeit. Deshalb tut es mir leid, wenn hier
falsche Eindrücke entstehen."
Lösung im Herbst.
Über eine gesetzliche Regelung streitet Schäuble seit Wochen mit
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD). Merkel hofft nach eigenen
Worten auf eine Lösung im Herbst. "Hier besteht dringender
Handlungsbedarf", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". Die
Online-Durchsuchung werde es nur auf richterliche Anordnung und nach
den bewährten rechtsstaatlichen Prinzipien geben.
Features
Fakten
Für die Gründung oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung drohen in Deutschland Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zehn Jahren.











