Spiegelbild bäuerlicher Architektur
Eine Sonderschau im Landwirtschaftsmuseum Schloss Ehrental bei Klagenfurt widmet sich einem der ältesten Baustoffe der Welt: dem Ziegel. In Kärnten hat das Stadelfenster aus gebranntem Lehm eine besondere Tradition und ist Spiegelbild bäuerlicher Architektur.

Foto © Johannes PuchZiegel im Museum: Initialien im Model finden sich auf dem Ziegel wieder. Sie weisen auf den Ziegelbesitzer hin
Jeder kennt sie und kaum einer weist ihnen Bedeutung zu: Ziegel sind seit altersher ein beliebtes Baumaterial und wurden (und werden) für Dächer, Böden, Mauerwerk, Kamine, Brunnen, Säulen, ja sogar Fenster verwendet. Hunderte alte Stadel in Kärnten faszinieren heute noch durch die gitterförmigen, in vielen Varianten angebrachten Ziegelfenster. "Für die Stallscheune war der Rohstoff Holz zu wertvoll. Daher griff man zum Ziegel", sagt Heimo Schinnerl, Direktor des Landwirtschaftsmuseums Schloss Ehrental bei Klagenfurt, wo jetzt unter dem Titel "Aus guetem Lehm gebrannt" eine Sonderschau rund um den Ziegel eröffnet wurde.
"Nur noch eine Ziegelei". "Früher fand man mehr als 100 Ziegeleien in Kärnten, heute gibt es nur mehr eine einzige in St. Andrä", erklärt Gerfried Leute, mit seiner Gattin Gertrud und mit Ingeborg Müllner Mitglied des Vereins "Stadelfenster- und Ziegelkultur im Alpe-Adria-Raum" und maßgeblich an der Gestaltung der Schau mitbeteiligt. Müllner hat darüber hinaus die architektonischen Kostbarkeiten aus gebranntem Lehm im "Stadelfensterbuch" eingefangen. Ein zweiter Band erscheint im Herbst. "Ich bin eine Trümmerfrau, so viele Ziegel habe ich gesammelt", lacht die Klagenfurterin. Leute, eigentlich Botaniker, wurde durchs Wiener Ziegelmuseum mit dem "Virus Ziegel infiziert". "Dessen Direktor Gerhard Zsutty, der österreichische Ziegel-Papst, ist unser Mentor", meint Leute. Zurück zum Ziegel: Im 19. Jahrhundert erlebte er eine Hochblüte. Damals wurden zahlreiche Feuerversicherungen gegründet, die Menschen, die beim Haus- oder Stallbau Ziegel statt Holz verwendeten, günstigere Prämien anboten. Logisch, dass der Ziegel einen Siegeszug erlebte.
Initalien am Ziegelzeichen. Beinahe so alt wie der Ziegel selbst - die ersten Nachweise findet man um 7500 v. Chr. in Anatolien und Palästina - ist das Ziegelzeichen. In Kärnten wurde der Ziegel, der als Lehm in einen Model kam und darin gebrannt wurde, durch in dort eingelassenen Initialen des Vor- und Nachnamens des Ziegeleibesitzers mit diesem Zeichen versehen. "Das war ein Qualitätsmerkmal", weiß Schinnerl. Das allerdings außergewöhnlichste Ziegelzeichen in der Schau stellt einen Frosch dar. "Es stammt aus dem Lavanttal", erzählt Schinnerl. "Damals ist ein Frosch in den Model gehüpft und wurde unfreiwillig mitgebrannt."
Nur kein Neid. Aber was wäre bäuerliches Kulturgut, zu denen die Stadelfenster zweifellos zählen, ohne ein bisschen Aberglaube? Und so finden sich auf Schlusssteinen von Torbögen bei Hofeinfahrten, bei Stadttoren, an historischen Gebäuden oder an Giebeln von Privathäusern so genannte Fratzenköpfe, auch Neid- oder Niedköpfe genannt. "Sie sollten Unheil und das Böse abhalten", sagt Schinnerl. "Die bösen Mächte sollten Menschen und Tieren, die in den Gebäuden lebten, nichts neiden."
Features
Schau über Ziegel
Ausstellung.
"Aus gutem Lehm gebrannt" im Landwirtschaftsmuseum Ehrental bis Ende Oktober.










