"In Istrien hat die Hypo absolut saubere Hände"
Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer weist Vorwurf dunkler Kroatien-Geschäfte zurück. Erste-Einstieg bei Hypo wäre für ihn "schlechteste Alternative" gewesen.

Foto © Reuters"Ausschließen kann man nichts, jeder hätte bieten können" so Kulterer
Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer weist Vorwurf dunkler Kroatien-Geschäfte zurück. Erste-Einstieg bei Hypo wäre für ihn "schlechteste Alternative" gewesen.
Der Einstieg einer heimischen Bank bei der Hypo stand nach Ihren Aussagen nie zur Debatte, weil das Arbeitsplätze gefährdet hätte. Zugleich argumentieren Sie, dass Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, der sich über den Hypo-Verkauf mokiert hat, ja selbst ein Angebot hätte legen können. Was jetzt: Hätte er eine Chance gehabt?
WOLFGANG KULTERER: Treichl hat nicht angeboten, also konnte nichts beurteilt werden. Ausschließen kann man nichts, jeder hätte bieten können. Aber das wäre sicher die schlechteste Alternative für die Hypo gewesen.
Sie haben als Hypo-Chef den Aufsichtsrat erst nach einem halben Jahr von den Swap-Verlusten in Kenntnis gesetzt. Nun sitzen Sie selbst dem Aufsichtsrat vor: In welchem Zeitraum möchten Sie von ihrem Nachfolger Tilo Berlin über Verluste informiert werden?
KULTERER: Diese Fragestellung ist nicht zulässig. Einerseits bin ich ab übernächster Woche nicht mehr Aufsichtsrats-Vorsitzender. Zum Zweiten muss der Vorstand jedesmal individuell aus der Situation heraus entscheiden, ob es eine Informationspflicht gibt.
Wie geht die Expansion weiter?
KULTERER: Mit der BayernLB gibt es einen starken Partner im Rücken und daher wird die Expansion im gleichen Tempo wie in den letzten Jahren - mit Wachstumsraten von 25 bis 30 Prozent - fortgesetzt werden. Die Expansion nach Rumänien, Bulgarien und Ukraine ist schon beschlossen.
Das Ost-Engagement der Hypo ist in den letzten Wochen in die Schlagzeilen internationaler Medien geraten. Die Hamburger "Zeit" spricht von "dunklen Geschäften und geheimen Absprachen" in Istrien. Zu Recht?
KULTERER: Das ist die Neidgesellschaft! Wir haben 2000 in Kroatien das Risiko und die Markteinschätzung besser getroffen als andere - die sich jetzt aufregen.
Laut Medienberichten sitzen mehrere ehemalige Geschäftspartner der Hypo in kroatischer Haft.
KULTERER: Ich kenne keinen Geschäftspartner der Hypo, der in Haft sitzt. Wenn wir uns nicht an Gesetze gehalten hätten, wären wir schon längst geklagt worden.
Saubere Hände demnach?
KULTERER: Absolut.
Können Sie den Grimm von SPÖ-Hypo-Aufsichtsrat Ferdinand Lacina verstehen, weil er über den Hypo-Verkauf später informiert wurde als seine schwarzen und orangen Kollegen?
KULTERER: Ich habe vor der Sitzung der Landesholding den Aufsichtsrat informiert, Aufsichtskommissär Jörg Haider und den großen Partner, die Grazer Wechselseitige. Darüber hinaus habe ich keine Pflichten.
Es laufen noch immer Ermittlungen gegen Sie. Der Verdacht lautet auf Bilanzfälschung.
Das sind Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft. Ich wäre selbst interessiert daran, dass das Verfahren bald beginnt oder eingestellt wird.
Wie sieht Ihre Zukunft aus, wenn Sie die Hypo verlassen?
KULTERER: Ich bin dann frei. Mein Beruf ist Land- und Forstwirt.
Wie Tilo Berlin. Tauschen Sie regelmäßig Erfahrungen aus?
Überhaupt nicht. Er ist ja Bio-Landwirt, während ich schon seit 30 Jahren eine ganz konventionelle Landwirtschaft betreibe.
INTERVIEW: WOLFGANG RÖSSLER











