Mit Mopeds gegen den Klimawandel
Humus, Flugverzicht und Rapsöl sind Teile eines Konzepts, das fünf Gemeinden um Kaindorf bei Hartberg CO2-neutral machen könnte. Der drohende Klimakollaps hat die Orte zur Ökoregion verschweißt.

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Fünf Gemeinden um Kaindorf bei Hartberg wollen den Klimawandel bremsen. Im Frühjahr schlossen sie sich zu einer Ökoregion zusammen, um gemeinsam den Kohlendioxid-Ausstoß zu drosseln. Das Ziel: eine aufkommensneutrale Bilanz bis 2020.
Machtlos.
Treibende Kraft hinter dem Projekt, für das sich mehr als hundert Bürger in Arbeitsgruppen einschrieben, ist der Kaindorfer Werbefachmann Rainer Dunst. "Politiker sind machtlos. Die Masse hat es in der Hand", lautet sein Glaubensbekenntnis.
Die drohende globale Katastrophe hat die 4000 Einwohner umfassenden Ökoregion, die ein von den Gemeinden finanzierter Verein trägt, kreativ werden lassen: Menschen verzichten aufs Fliegen, man rüstet Autos auf Pflanzenölantrieb um, hat mit Osram einen Energiesparlampen-Rabatt für die Region ausgehandelt und Banken überzeugt, den Einbau alternativer Heizsysteme mit verbilligten Krediten zu stützen. "Wir kriegen bessere Konditionen, die Anbieter machen mehr Absatz", erklärt Dunst.
Bauern.
Mit im Boot sitzen die Bauern. Der Aufbau von Humus durch sparsame Bodenbearbeitung und Fruchtwechsel ist eine der wenigen Möglichkeiten, CO2 zu binden. Dunsts Vision: Bauern könnten in den Handel mit CO2-Zertifikaten eingebunden werden und an ihrem Beitrag verdienen.
Nun wird erwogen, in Kaindorf nur noch Betriebe anzusiedeln, die ökologisch handeln. Für Kaindorfs Bürgermeister Fritz Loidl ist es wichtig, dass das Konzept auf andere Regionen umgelegt werden kann. "Wir wollen ein Modell sein, das sich wirtschaftlich selber trägt."
Zukunft.
Rapsöl
Gut angelaufen ist das Geschäft mit Pflanzenöl. 20 Kaindorfer haben ihre Autos auf Rapsölantrieb umrüsten lassen, auch Dunst und Großfleischer Karl Schirnhofer. Friedrich Janisch, Betreiber der Pflanzenöl-Tankstelle, freut der Trend: "Die Nachfrage ist super."
Die Zukunft sieht man im Elektroantrieb. Der Verein hat deshalb E-Mopeds gekauft - für 2100 Euro das Stück sind sie zu haben. Speisen will Dunst die Gefährte mit Strom aus erneuerbarer Energie. "Wir stellen das ganze Stromnetz um, ohne dass der einzelne Kunde belästigt wird." Die Mehrkosten, ein fünfstelliger Eurobetrag, übernimmt der Verein.
Anonym.
Derzeit wird erhoben, wie viel CO2 jede Familie in der Ökoregion verursacht. Die Werte landen anonym im Internet. Umrüstungen und Verhaltensänderungen werden eingerechnet und sollen den Erfolg dokumentieren.










