Sehnsucht nach Heimat und Wurzeln
Am Sonntag ist der "Tag der Dorfgemeinschaften", ausgerufen vom Kärntner Bildungswerk. Dorfgemeinschaften beleben den ländlichen Raum und schützen vor Abwanderung. Ein Streifzug.

Foto © WagnerMaria Luggau mit seinen revitalisierten Wassermühlen
Ein "Spielendes Dorf" im Lavanttal, ein Dorfladen im Gailtal, ein Integrationsprojekt für Zuzügler in Feldkirchen - die Aktivitäten der Kärntner Dorfgemeinschaften sind vielfältig und gehen über Brauchtumspflege weit hinaus. Legendäres Beispiel die Dorfgemeinschaft Maria Luggau mit Brigitte Lugger, die sich der Erhaltung typischer Lesachtaler Baukultur gewidmet hat. Besonders die Revitalisierung der historischen Wassermühlen und der Mühlenweg haben zur touristischen und kulturgeschichtlichen Belebung des Lesachtales beigetragen.
100 Dorfgemeinschaften sind Mitglieder des Kärntner Bildungswerks, das gemeinsam mit der Gemeindeabteilung des Landes die "Initiative Dorfgemeinschaften" gegründet hat und heute den "Tag der Dorfgemeinschaft" begeht. "Die Dorfgemeinschaften sind unersetzliche Kristallisationspunkte von Kultur und Bildung", sagt Bildungswerk-Obmann Klaus Fillafer. Sie seien die Antwort auf Vereinsamung und die "Sehnsucht nach Beheimatung", aber auch Anstoß für Orts- und Regionalentwicklung. Im Lavanttaler St. Marein hat die Dorfgemeinschaft (DG) den Ortskern mitgestaltet. Die historische Mariensäule wurde restauriert und umgesetzt. Sie ist nun Stelle der Begegnung, erzählt Obmann Ferdinand Schwaiger. Zur Open Air-Maiandacht kamen 150 Personen. Seit 35 Jahren hat die DG eine Theatergruppe und stellte heuer "Das spielende Dorf" auf die Beine.
Identifikation. Für Veranstaltungen hat die DG Reisach im Gailtal sogar ein eigenes Gelände gekauft, erzählt Obmann Franz Eder, stark in die "Dorfchronik" involviert.
"Die gläserne Familie" ist Symbol für das Miteinander in Leibsdorf bei Poggersdorf. Eine Skulptur, geschmückt mit farbigen Glasteilen mit eingravierten Namen. Jede Familie des Dorfes ist somit als Teil der Gemeinschaft verewigt. "Alle sollen sich mit ihrem Ort identifizieren", erklärt DG-Obmann Otto Sucher. In Grafendorf bei Kötschach wurde der Adeg-Laden geschlossen. DG-Obmann Konrad Tillian wollte aber die Nahversorgung retten und gründete einen Verein mit Gewerbeberechtigung. Im April 2001 wurde der "Dorfladen" eröffnet. Renovierungen werden durch DG-Mitglieder durchgeführt, etwaige Verluste durch Erlöse aus Aktivitäten der DG ausgeglichen.
"Landgiganten". Menschen im Grenzgebiet zueinander führen wollen die peppigen "Landgiganten" in St. Michael ob der Gurk. In der durch eine Gemeinde- und eine Bezirksgrenze geteilten Siedlung, wo Kinder in getrennte Volksschulen gebracht werden, hat die DG eine wichtige verbindende Funktion. Neues Ziel ist die Revitalisierung des Sportplatzes, ein Freizeitzentrum soll entstehen. Sie ist die jüngste DG mit den jüngsten Mitgliedern (zwischen 16 und 27 Jahren). Die älteste DG wurde vor 70 Jahren in St. Martin am Wallersberg gegründet, 60 Jahre alt ist die DG Altersberg, die heute ihr Jubiläum feiert.
"Bindeglied". "Wir wollen ein Bindeglied zwischen den Menschen sein", erklärt Schwaiger. "Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten, ist auch heute noch zu finden."
Features
Wo gefeiert wird
Poggersdorf. Frühschoppen, Volkstanz, Kärntner Kirchtagsmusik. Hauptplatz, ab 10.30 Uhr.
Altersberg. 8.30 Uhr Brunneneinweihung, 14 Uhr Festakt.
Maria Luggau. Führungen am Mühlenweg , 10 bis 17 Uhr.
St. Nikolai-Glanhofen. Marterl-Weihe, Frühschoppen, ab 9.45.
St. Peter am Wallersberg. Drei-Kirchen-Wanderung, 13 Uhr.











