Buckelwale legen Schiffsverkehr lahm
Die Buckelwale, die sich in den kalifornischen Sacramento River verirrt haben, nähern sich weiter dem Festland. Nun sollen die Tiere in die Freiheit gelotst werden.

Foto © APDas Ereignis zieht zahlreiche Schaulustige an
"Delta" und "Dawn" sind kurz vor dem Ziel:
Nach einer rasanten Spritztour durch den Unterlauf des
Sacramento-Flusses waren die beiden verirrten Buckelwale am
Dienstagabend (Ortszeit) fast am "Goldenen Tor" zum Pazifik
angekommen. Knapp 15 Kilometer trennten sie bei Sonnenuntergang von
der Golden-Gate-Brücke und damit von ihrem natürlichen Lebensraum
westlich des Wahrzeichens von San Francisco.
Abstecher. Statt mit ihrem beachtlichen Tempo von bis zu zehn
Stundenkilometern weiter Kurs aufs offene Meer zu nehmen, machten das
Muttertier und ihr Kalb nahe des Luxus-Ortes Tiburon Station, nach
einem Abstecher in eine Seitenbucht, wo das berüchtigte
St.-Quentin-Gefängnis liegt.
Zone. "Es gibt noch viele Stellen, wo sie Ärger bekommen können, bevor
sie endlich unter der Golden-Gate-Brücke rausschwimmen", sagte Rod
McInnis, Sprecher der US-Behörde für Klima und Ozeanographie (NOAA)
am Dienstag. Die Tiere befinden sich mitten in einer stark
frequentierten Schifffahrtszone. Die großen Personenfähren wurden
bereits angewiesen, am Mittwochvormittag ihr Tempo zu drosseln. Boote
der Küstenwache folgen den Walen seit Tagen, um eine
"Sicherheitszone" von knapp 500 Metern um die Tiere herum zu
schaffen.
Jubel. "Heute läuft alles wie am Schnürchen", jubelte die Meeresbiologin
Frances Gulland am möglicherweise vorletzten Tag der langen und
gefährlichen Wal-Odyssee. Nach über zwei Wochen im Süßwasser waren
das 40 Tonnen schwere Muttertier und ihr Junges aus dem Sacramento
River in die San Pablo Bay, einen Teil der Bucht von San Francisco,
eingebogen. Die Boots-Armada blockierte vorsichtshalber zwei andere
Flussabzweigungen. Im sicheren Abstand folgten sie dem Duo, um sie im
Fall von "Verirrungen" wieder auf den rechten Pfad zu lotsen. Doch
"Dawn" und "Delta" gaben selbst den Ton an. Zeitweise schwammen sie
so schnell gen Meer, dass die Boote kaum mithalten konnten,
berichtete der Radiosender KCBS.
Offene Fragen. "Wir haben viele Theorien, aber was uns fehlt, ist eine wirklich
gute Antwort", räumte McInnis ein. Niemand weiß, was die Tiere rund
145 Kilometer Richtung Inland in den Hafen der kalifornischen
Hauptstadt Sacramento trieb, was sie plötzlich zur Kehrtwendung
bewegte und warum sie nach tagelangen Pausen immer wieder in Schwung
kamen, wenn keiner mehr daran glaubte. Fest steht: Alle Versuche, die
riesigen Meeressäuger mit lockenden Walgesängen, abschreckenden
Killerwal-Lauten, Krach von Metallrohren und mit Wassersalven aus
Löschschläuchen anzutreiben, waren kläglich gescheitert.
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Die Wal-Mutter und ihr Kalb schwammen vor wenigen Tagen im Fluss Sacramento 150 Kilometer weit ins Landesinnere und verloren die Orientierung.











