Lachgas-Vergiftung: Acht Tote in italienischem Krankenhaus
Wegen falscher Anschlüsse in neuem Operationssaal wurden Patienten mit dem falschen Gas beatmet. Sie starben.

Foto © APADie Polizei sperrte das Krankenhausgelände ab
Ein neuer Krankenhaus-Skandal erschüttert
Italien: In einem Spital bei Taranto in Apulien im Süden des Landes
sind innerhalb weniger Tage acht Herzpatienten vermutlich an einer
Lachgas-Vergiftung gestorben. Ersten Ermittlungen zufolge kamen die
älteren Menschen ums Leben, als sie in einer erst vor kurzem
eröffneten Intensivstation für Patienten mit Erkrankungen der
Herzkranzgefäße über Sauerstoffmasken beatmet wurden - doch wegen
eines technischen Fehlers hätten sie eine tödliche Dosis des
Narkose-Gases bekommen.
Skandale.
"Wer diesen Fehler begangen hat, muss dafür bezahlen", schimpfte
der Gouverneur von Apulien, Nichi Vendola, am Samstag. Doch der
"tödliche Irrtum" ist nur der jüngste Fall in einer Serie von
Skandalen - Italiens Gesundheitssystem steht seit Jahren am Pranger.
Fakten
Eigenartig erscheint es, dass die Intensiv-
Koronar-Station. "Es handelt sich um eine fehlerhafte Verbindung (der Rohre), die beim Bau der Anlage entstand", meint ein Verantwortlicher. Die Koronar-Station am Krankenhaus von Castellaneta bei Taranto war erst vor zwei Wochen eröffnet worden, die neuen Apparaturen seien sogar erst seit zwei Tagen in Betrieb, hieß es. Um die exakte Todesursache zu bestimmen, muss eine Autopsie der Leichen vorgenommen werden. Experten weisen aber auf ein Problem hin: Das als Lachgas bekannte Distickstoffmonoxid (N20) ist nur kurze Zeit im Körper nachweisbar.
Sichers System?
Das medizinische Personal habe vermutlich
die Schläuche zur Sauersoff- und Lachgaszufuhr verwechselt, als sie
den Patienten die Sauerstoffmasken anlegten. Dabei gibt es nach
Ansicht von Experten ein sicheres System, um Irrtümer zu vermeiden.
"Die Anschlüsse für Sauerstoff sind in weißer Farbe, die für das
Stickstoffgemisch sind blau". Die Staatsanwaltschaft in Taranto
leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung
gegen unbekannt in acht Fällen ein.
Features
Fakten
Italien ist an Gesundheits-Skandale gewöhnt. Erst vor kurzem wurden bei einer Organverpflanzung in Florenz mehrere Menschen mit Leber und Nieren einer HIV-Patientin versorgt.
Foto

Dr. Cosimo Turi, Direktor des KrankenhausesFoto © APA
Skandale
Ganz Italien war empört, nachdem ein Journalist sich in Krankenhäuser eingeschlichen und Fotos über haarsträubende hygienische Verhältnisse veröffentlichte: In Gängen der Krankenhäuser lagen Zigarettenreste von Ärzten und Pflegern. In einem Korridor lag stinkender Hundekot, der Tage lang nicht weggeputzt wurde - und in einem Krankenhaus in Neapel gab es Ratten.










