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Zuletzt aktualisiert: 22.04.2007 um 04:45 Uhr

Rassismus: Zu viele schauen weg

Noch nie wurden in der Steiermark so viele rassistische Vorfälle gemeldet. Die Auswüchse werden immer schlimmer und enden oft sogar mit roher Gewalt.

Foto © APA

Eine Frau muss sich ihr Kopftuch herunter reißen, weil es jemand in Brand gesetzt hat, ein dunkelhäutiger Bursche wird in der Schule von einem Mitschüler angespuckt, einem Mann aus Bukarest verwehrt ein Türsteher den Eintritt in die Diskothek - Übergriffe, die nicht irgendwo passiert sind. Sondern mitten unter uns. In der Steiermark.

Rassismus Report. 382 dieser diskriminierenden Fälle - so viele wie nie zuvor - listet der steirische Rassismus-Report für das Jahr 2006 auf, der der Kleinen Zeitung exklusiv vorliegt. Dieser Höchstwert muss nicht unbedingt ein Ansteigen des Rassismus bedeuten, sondern weist darauf hin, dass mit rassistischen Übergriffen offener umgegangen wird. "Das Erschreckende ist, dass vor Gewalt nicht mehr zurückgeschreckt wird", so Studienautorin Daniela Grabovac, Obfrau von "Helping Hands" und Mitglied der Menschenrechtskommission im Innenministerium.

Öffentlicher Raum. Auffallend auch: Knapp ein Drittel aller Diskriminierungen (31 Prozent) passierte im öffentlichen Raum. Im Vergleich zu den Jahren 2004 (20 Prozent) und 2005 (23 Prozent) stieg der Alltagsrassismus im Vorjahr somit auf ein neues Hoch an. Für Grabovac keine Überraschung. Die angehende Juristin macht den Nationalratswahlkampf dafür mitverantwortlich - im Speziellen die FPÖ-Plakate mit Kampagnen wie "Daham statt Islam". "Viele fühlen sich dadurch bestärkt zu diskriminieren. Die Hemmschwelle sinkt auf ein Mindestmaß." Bereits in den Wahlkampfjahren 2003 (Gemeinderatswahl Graz) und 2002 (Nationalratswahl) zeigte sich ein Anstieg.

Bespuckt. Erstmals weist der Rassismus-Report eine Studie zu den Auswirkungen von Diskriminierung aufgrund Herkunft und Religion auf. Diese Untersuchung (in Kooperation mit dem Verein Clio) untermauert die rohe Umgangsform, die Migranten in der Steiermark entgegenschlägt. Zwei von drei Menschen mit Migrantenhintergrund wurden 2006 demnach mindestens einmal beschimpft. Jeder Fünfte angerempelt, bespuckt oder mit etwas beworfen. Obwohl die Anzeigen bei Rassismusvorfällen gestiegen sind, zeigt sich, dass viele Migranten (ein Drittel) sich scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Kritik an Stadt und Land. "Helping Hands" kritisiert dazu die Stadt Graz und das Land Steiermark. Graz sei zwar Menschenrechtsstadt und der Weg gehe nach dem Beitritt zur "Städtekoalition gegen Rassismus" in die richtige Richtung, trotzdem fehle bislang der politische Wille, eine Institution für Rechtsschutz gegen Diskriminierung zu schaffen. Aufgabe dieser Stelle wäre die Aufklärung zur Rechtslage, um Verurteilungen zu vermeiden. "Das Problem", so Grabovac, "ist, dass Inländer vom Gleichbehandlungsgesetz ebenso wenig wissen, wie Ausländer."

MICHAEL PECH

Fatale Auswirkungen

Welche Auswirkungen rassistische Vorfälle haben können, zeigt nicht zuletzt der Fall des indischen Wissenschaftlers Prashant Joshi. Während seines Doktoratstudiums in Graz soll er zwei Polizisten entgegen vieler Zeugenaussagen angegriffen haben. Die Beamten wehrten sich mit Pfefferspray. Joshi wurde rechtskräftig verurteilt.

Der weltweit umworbene Techniker wechselte an die Universität nach Kalifornien und sagt heute: "Nach Österreich komme ich nie wieder."

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