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    Zuletzt aktualisiert: 26.02.2013 um 14:30 UhrKommentare

    Das Opfer, das keines sein will

    Eine Mischung aus Verunsicherung und Verstörung: Natascha Kampusch polarisiert. Neben Respekt schlägt ihr auch Hass entgegen. Ein Film soll helfen, die Deutungshoheit über das eigene Leben zurückzugewinnen. "3096 Tage" - ab 28. Februar im Kino.

    Foto © APA

    Jetzt also auch noch ein Film. Heute feiert "3096 Tage" in Wien Premiere, ab Donnerstag ist der Streifen über das acht Jahre dauernde Martyrium Natascha Kampuschs dann in den heimischen Kinos zu sehen.

    Der Film trägt nicht nur denselben Namen wie die 2010 erschienene und mittlerweile in 37 Sprachen übersetzte Autobiografie Kampuschs, auch die mediale Begleitmelodie und eine bisweilen barocke Aufregungseuphorie der breiten Öffentlichkeit wiederholen sich. Damals wie heute sind es aber nicht die zwischen Respekt und Bewunderung oszillierenden Reaktionen aus den Beobachterreservaten, die überraschen. Vielmehr ist es die bis in hysterischen Hass und brachiale Beschimpfungen hochtransponierte Kakofonie aus den Vorurteilsgewächshäusern der Volksseele, die irritiert.

    Was ist da los? Was hat diese in einem Kellerloch in der Größe eines durchschnittlichen Badezimmers vom entführten Volksschulmädchen zum willensstarken Teenager und später - in Freiheit - zur so sonderbar selbstbewussten Frau gereifte Persönlichkeit? Was macht Natascha Kampusch zu diesem mit sämtlichen emotionalen Spektralfarben aufgeladenen Reibebaum?

    "Nicht streichelweich"

    Es ist eine Mischung aus Verunsicherung und Verstörung, die die 25-Jährige bei ihrem Publikum evoziert. "Menschen mit solch einem Schicksal müssten sich eigentlich entblößen", analysiert der Grazer Psychologe Alois Kogler: "Aber Kampusch erfüllt diesen Wunsch des Publikums nicht." Sie polarisiert, weil sie "nicht streichelweich ist, sondern Position bezieht" (Kogler). Eine Mischung aus behutsamer Eloquenz, starkem Intellekt und spürbarer Zerbrechlichkeit laden diese Polarisierung auf.

    Zurück bleibt eine recht großzügig in der Gesellschaft verteilte Überforderung im Umgang mit einem Opfer, das sich weigert, sich nur auf seine Opferrolle reduzieren zu lassen. Noch dazu vor einer Kulisse, die ungreifbar bleibt. 3096 Tage - ein Zeitrahmen, der der konkreten Vorstellungskraft eines Menschen entschwindet. Man kann sich drei Tage vorstellen, 30 Tage vielleicht (ein Jahrespensum an Urlaub), 300 Tage als Zeitspanne einer verlängerten Schwangerschaft beziehungsweise eines verkürzten Intervalls zwischen zwei Geburtstagsfeiern - das verschwimmt aber schon im Ungefähren. Aber 3000 Tage Isolation? Bleiben abstrakt. Unvorstellbar.

    Projektionsfläche

    Zum Fantastischen mischt sich das Fanatische, der Hunger nach der negativen Bestätigung. Auf 15 bis 20 Prozent schätzt Psychologe Kogler jenen Bevölkerungsanteil, der generell und justament raunzenden, von Misstrauen und Neid beseelten Neinsager.

    Eine Lebensgeschichte wie jene von Natascha Kampusch bietet dafür in Zusammenspiel mit medialen Kommunikationsplattformen ausreichend Projektionsfläche, um sich abzureagieren. Der Film will diese Eigendynamik bremsen. Er ist Kampuschs Versuch, die Deutungshoheit über das eigene Leben zurückzugewinnen und ihren Traum zu verwirklichen: "Als normaler Mensch respektiert zu werden."

    KLAUS HÖFLER

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