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    Zuletzt aktualisiert: 09.02.2013 um 21:08 UhrKommentare

    Willkommen in der Welt von Stronach

    Ein Osttiroler Bergdorf trägt den Namen des Milliardärs und Neo-Politikers. Blicken lassen hat er sich dort noch nie. Von Wolfgang Fercher.

    Gepflegte Höfe im alten Stil prägen das Ortsbild, Die Ortstafel macht Lust aufs Wandern

    Foto © Wolfgang FercherGepflegte Höfe im alten Stil prägen das Ortsbild, Die Ortstafel macht Lust aufs Wandern

    Die Schlümpfe hopsen fröhlich über die Bühne im Gemeindezentrum und intonieren lyrisch-musikalische Schmankerln. "Ist der Strasser wirklich schlau? Nein, er geht jetzt in den Bau." Und als Draufgabe: "Was fällt euch zum Stronach ein? Er gehört ins Altersheim." Jetzt lacht Stronach über Stronach. Laut und herzhaft.

    "Es haben schon öfters Leute angerufen und wollten zu Frank Stronach. Denen erkläre ich, dass wir nichts mit ihm zu tun haben", erzählt Kassenverwalterin Ingrid Draschl am Tag darauf im Gemeindeamt von Iselsberg-Stronach. 617 Menschen leben hier auf der Südseite des Iselsberger Sattels, der Lienzer Becken und Kärntner Mölltal verbindet. 170 Bewohner zählt Stronach - eine Streusiedlung auf dem Berghang oberhalb von Dölsach. Die Sonne blitzt durch die Vorhänge. "Stronach könnte allein nicht existieren", sagt Draschl. Der Blick auf die Dolomiten (Sandspitz, Gamsspitz, Hochstadl) ist spektakulär. "Wir haben eine tolle Lage und sind klimatisch begünstigt", konstatiert Bürgermeister Thomas Tschapeller stolz.

    Der 51-jährige Bergbauer, Tischler und Einrichtungsberater mit den stechend blauen Augen ist die Antithese eines polternden Dorfkaisers. Ruhig und sachlich spricht er über die Gemeinde. "Wir schauen, dass es rundläuft. Große Sprünge sind nicht möglich." 2000 wurde das Gemeindezentrum neu errichtet, bei Infrastruktur kooperiert man mit Nachbarkommunen. Kindergarten, Volksschule und Bücherei gibt es ebenso wie aktive Vereine. Feuerwehr, Sportunion, Musikkapelle, Landjugend, Bildungswerk - irgendwo ist jeder engagiert. Das Gemeindebudget? 1,5 Millionen Euro.

    "Der Stronach soll was springen lassen für seinen schönen Ort. Wenn er unsere Straße neu asphaltiert, wird er Ehrenbürger", lacht Richard Draschl, der mit Husky "Juko" im Garten spielt. Der Pensionist mit dem beneidenswerten Teint zog vor 35 Jahren vom Tal nach Stronach "in die Sonne" und genießt Touren auf den Stronachkogel (1831 Meter hoch). Einige Meter weiter steht die Kapelle "Mariä Heimsuchung", in der ab und an eine Messe stattfindet. Eine Heimsuchung von Frank Stronach blieb den Stronachern bis dato erspart. "Zu mir aufa werd er nit kemman", meint Altbauer Josef Auer trocken. Das Nachmittagsschläfchen auf der Küchenbank hat Priorität. "Wir werma nit ändern kennen, dass der a so haßt." Die Namensgleichheit regt kaum auf.

    War Stronachs Mama hier?

    Im Ort erzählt man sich, dass Stronachs Mutter, die "Strohsack-Liesl", irgendwann zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg hier als Magd gearbeitet haben soll. Verifizieren kann diese Mär niemand. Heute gibt es noch acht aktive Bauern in Stronach. Und mit der aus Wien stammenden Musikerin Kathrin Fischer eine "Exotin", die seit 2011 das Kulturhaus Klanggestalt Kulturcafé betreibt. "Ich biete Leben an" ist ihr Motto - Kochkurse, 5-Elemente-Küche, Biowein, Musik.

    "Stronach meets Stronach" hätte im Herbst auf dem Ederhof passieren können. Das europaweit einzigartige Rehabilitationszentrum für Kinder, Jugendliche und Familien vor und nach Organtransplantationen feierte sein 20-Jahr-Jubiläum - mit prominenten Gästen und Spendern wie SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier oder Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Frank Stronach kam der Einladung, trotz mehrmaligen Urgierens, nicht nach.

    Der Ederhof ist das Geburtshaus von Franz Defregger (Historienmaler im 19. Jahrhundert) und heute größter Arbeitgeber in Stronach. Auch für einen Mann mit Dreitagebart, Bleistift hinter den Ohren und humorigen Sagern auf den Lippen: Hausmeister Anton Walder. "Eigentlich müsste ganz Stronach den Stronach wählen. So wie früher die ÖVP", grinst Walder, nebenbei Bauer und Vizebürgermeister. Das Geld des Milliardärs fände er nicht schlecht, aber "wir Bergbauern sind nicht käuflich". Tschapeller sieht in einem Investment "im touristischen Bereich am meisten Potenzial. Das würde der Gemeinde guttun". Derzeit kann man neben Wandern, Aussicht und Luft noch die "Erdpyramiden", entstanden durch Lehmablagerungen, anbieten.

    In der Gemeinde spielen Parteien keine Rolle. "Wie hat die Liste sem g'heißen?", versucht sich Tschapeller an die Wahl 2009 erinnern. Sem (osttirolerisch für damals/dort) traten die Listen "Für Iselsberg und Stronach" und "Neue Kraft für Iselsberg-Stronach" an. Der Bürgermeister erhielt bei der Wiederwahl über 82 Prozent.

    Warum sich ein 80-Jähriger die Politik antut, verstehen die Stronacher nicht. Also lachen sie weiter. Aufgrund des riesigen Andrangs gibt es heute eine zusätzliche Faschingssitzung.

    WOLFGANG FERCHER

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