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    Zuletzt aktualisiert: 05.01.2013 um 22:09 UhrKommentare

    Grenzgänger zwischen allen Fronten

    Gérard Depardieu hat mit seiner Heimat Frankreich gebrochen und wechselte flugs die Nationalität. Dank Wladimir Putin, dem Freund aus Moskau. Von Achim Schneyder.

    Foto © APA

    Oh wie war das zäh und mühsam, damals im Jahr 1990, als Georges Faure um alles in der Welt eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung in den USA ergattern wollte. Sogar eine Scheinehe ging der Franzose ein, um in den Staaten bleiben zu dürfen. Bloß stolperte er dann bei der Befragung durch die Einwanderungsbehörde über eine einzige Frage, und die Sache flog auf.

    Wer Georges Faure ist? Ein Komponist. Und Lebenskünstler. In Wahrheit aber ist Faure nur eine Filmfigur, dargestellt von Gérard Depardieu, der in "Green Card", so hieß der hochgelobte Streifen, an der Seite von Andie MacDowell brillierte.

    Im echten Leben tut sich Herr Depardieu bedeutend leichter. Da reicht es, Wladimir Putin ein wenig Honig ums russische Maul zu schmieren, und schwupp - schon bekommt man vom Staatspräsidenten persönlich eine Staatsbürgerschaft verliehen. Gute Freunde seien die beiden, heißt es. Und in einem offenen Brief schwärmt der füllige Neo-Russe, der am 27. Dezember 64 Jahre alt wurde, was für ein wunderbares Land seine neue Heimat nicht sei. "Ich liebe dieses Land, seine Menschen, seine Geschichte und seine Schriftsteller. Ich liebe Ihre Kultur, Ihre Intelligenz." Zudem sieht er sich sogar in Russland verwurzelt: "Mein Vater war Kommunist und hat oft Radio Moskau gehört. Das ist ein Teil meiner Kultur." Gestern flog Depardieu dann nach Angaben des Kremls gar nach Sotschi ans Schwarze Meer - zu einem "Privatbesuch" bei seinem Freund Wladimir, wie es hieß.

    Der "erbärmliche" Umzug

    Depardieu, der als Kind unter Sprachstörungen litt, als labil galt und eine mit 13 Jahren begonnene Druckerlehre bald abbrach, hatte ja wirklich allen Grund, Jahre nach der filmischen Scheinehe nun die ganz reale Scheidung von seiner Heimat Frankreich medienwirksam durchzuziehen. Schließlich war der Premierminister nicht nett zu ihm. "Armselig" und "ziemlich erbärmlich", so nannte Jean-Marc Ayrault Depardieus Umzug von Frankreich in den belgischen Grenzort Estaimpuis-Néchin.

    Zu dem kam es, nachdem es in Frankreich einige Zeit danach ausgesehen hatte, als würden die Reichen des Landes schon bald 75 Prozent Steuern zahlen müssen - was nun ohnehin nicht der Fall ist. Doch da war es längst zu spät, das Haus in Belgien gekauft und auch die Drohung, die französische Staatsbürgerschaft zurücklegen zu wollen, vollmundig ausgesprochen. Ob es daraufhin Putin war, der dem barocken Genussmenschen aus Paris den Wechsel der Nationalität angeboten und mit einem Steuersatz von nur 13 Prozent gelockt hat, oder ob Depardieu von sich aus angefragt hat, darüber gibt es divergierende Meldungen.

    Der "angewiderte" Mime

    Egal. Tatsache ist, dass der Russe Depardieu in Belgien ein schmuckloses Haus erworben, seine Villa in Paris zum Verkauf angeboten hat und nun überlegt, sich außer in Belgien auch in einem 6500-Einwohner-Ort vor den Toren Moskaus anzusiedeln. "Um Steuern in Russland zu zahlen, muss man sich entweder mindestens 183 Tage im Jahr im Land aufhalten oder etwa Vorstandsmitglied einer russischen Firma sein. In diesem Fall ist es egal, wo man lebt", erklärt dazu der Moskauer Jurist Alexander Sotow.

    Der trinkfeste Mime jedenfalls steht zu seinem - von der russischen Opposition mit Skepsis bedachten - Schritt. "Von der Politik in Frankreich bin ich angewidert und in Russland kommt es nicht vor, dass der Präsident jemanden ,erbärmlich' oder ,armselig' nennt", so die beleidigte Leberwurst in seinem offenen Brief.

    Apropos Leberwurst: Was mit Depardieus beiden Lokalen und dem zugehörigen Fischgeschäft in Paris passiert, ist ungewiss.

    Der Sturz in das Weinfass

    Ganz allgemein erntet der Mann, der seit 1967 in über 170 Film- und Fernsehrollen ("Da war auch sehr viel Müll dabei") zu sehen war, auch reichlich Spott. "Er ist wohl in seiner Kindheit einmal in ein Weinfass gefallen", schreibt eine Zeitung und spielt dabei auf zwei Dinge an: auf Depardieu als Darsteller des Obelix, der bekanntlich als Kleinkind in einen Topf mit Zaubertrank gefallen ist, und auf den Umstand, dass Depardieu, das dritte von sechs Kindern eines Blechschmieds, seit einigen Jahren Nebenerwerbswinzer ist und das Weingut Chateau de Tigne im Anjou sein Eigen nennt.

    Moskau wiederum setzt auf die internationale Signalwirkung. "Ich hoffe, dass nun noch mehr Prominente den Mut haben, künftig in Russland zu leben", sagt der Außenpolitiker Leonid Sluzki, und der kremlnahe Wissenschaftler Wladimir Mau meint: "Russland hat Europa inzwischen als Insel der Stabilität abgelöst." Einen "hochqualitativen PR-Effekt für das Land und Putin persönlich" ortet der Politwissenschaftler Pawel Swjatenkow. "Für Putin ist diese Causa ein Superprojekt wie die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi."

    Die Drohung der Bardot

    Der hin und wieder verhaltensauffällige Depardieu, der etwa auf einem Air-France-Flug in den Gang urinierte, weil die Stewardess ihm während der Startphase den Gang zum Klo untersagt hatte, könnte übrigens bald "Verstärkung" bekommen. Brigitte Bardot, einst Filmstar, heute Ikone der französischen Rechten sowie streitbare Tierschützerin, droht nun auch, einen russischen Pass zu beantragen, sollten "Baby" und "Nepal", zwei in Nyon an Tuberkulose erkrankte Zirkuselefanten, eingeschläfert werden. "Ich meine das sehr ernst. Ich habe die Nase gestrichen voll und ertrage dieses Land nicht mehr", so Bardot. "Putin ist sehr human und hat mehr für den Tierschutz getan als alle Präsidenten in Frankreich."

    Hart ins Gericht mit dem prominenten Duo geht übrigens der in Frankreich geborene deutsche Grünpolitiker Daniel Cohn-Bendit. "Die beiden sind ausgesprochene Dummköpfe. Und wenn sie sich zu Putin ins Bett legen wollen, dann sollen sie es tun, damit ist die Angelegenheit geregelt."

    ACHIM SCHNEYDER

    Zur Person

    Gérard Depardieu, geb. 27. 12. 1948 in Châteauroux.

    Karriere: Filmrollen seit den späten 70er-Jahren. War 16-mal für Frankreichs Filmpreis César nominiert. 1991 Oscarnominierung für "Cyrano".

    Privatleben: Geschieden. Vier Kinder, sein ältester Sohn Guillaume starb 2008.

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