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Zuletzt aktualisiert: 04.01.2013 um 19:42 Uhr

Hilfe verweigert: Deutscher meldete sich bei der Polizei

Der Mann war wegen unterlassener Hilfeleistung nach einem Lawinenabgang gesucht worden. Verschütteter Obersteirer - er starb in der Klinik - war Vater eines fünfjährigen Buben.

Unglücksstelle auf dem Zischgeles

Foto © APAUnglücksstelle auf dem Zischgeles

Der Fall hatte für viel Aufsehen gesorgt, auch über die Grenzen hinaus: Das interessiere ihn nicht, soll ein Tourengeher gesagt haben, als er am vergangenen Samstag nach einem Lawinenunglück mit Verschütteten auf dem rund 3000 Meter hohen Zischgeles in Tirol um Hilfe gebeten wurde. Der Mann soll laut Zeugen einfach weitergefahren sein und nicht nur der Tiroler Lawinenexperte Patrick Nairz meinte damals, dass dieses Vorgehen einfach "unfassbar" sei.

Tagelang wurde nach dem vorerst Unbekannten wegen unterlassener Hilfeleistung gesucht - jetzt, nach einer Reihe von Pressemeldungen auch in Deutschland, meldete sich ein Allgäuer bei der Tiroler Polizei: Er rief am Mittwoch an, sagte, dass er am 29. Dezember auf dem Zischgeles gewesen sei und dass die Beschreibung auf ihn passe - wurde am Freitag bestätigt. Mehr wollte die Polizei vorerst nicht bekannt geben: Erst soll der Mann, der sich derzeit im Ausland befindet und am Wochenende nach Innsbruck kommt, zu den Beschuldigungen einvernommen werden.

Vater eines Buben

Bei dem Lawinenunglück war - wie berichtet - ein 38-jähriger Steirer ums Leben gekommen. "Er war ein begeisterter Berggeher", erzählt seine Mutter Maria Mayr aus Spielberg. Martin Mayr war Sozialpädagoge, arbeitete bei der Lebenshilfe in Trofaiach und der Landesberufsschule Knittelfeld. Erst vor wenigen Wochen war der Vater eines fünfjährigen Buben nach Fohnsdorf gezogen.

Am vorigen Samstag war der Obersteirer mit einem Tiroler Freund, der selbst Bergretter ist, und dessen Freundin unterwegs gewesen. Vor der Abfahrt vom Gipfel schloss sich ihnen noch ein Innsbrucker an. Sie hätten alles geprüft, seien einzeln in den Hang eingefahren, berichtet die Mutter - doch dann passierte es: Über ihnen wurde ein Schneebrett ausgelöst, Martin, Dritter in der Gruppe, wurde "voll erwischt". 30 Minuten war er verschüttet - letztlich konnte er nicht gerettet werden: Der 38-Jährige starb am Sonntag in der Innsbrucker Klinik.

Ein furchtbarer Schicksalsschlag für die Familie, aber nicht der erste. Der ältere Sohn der Familie ist erblindet - und zwei Neffen ihres Mannes, erzählt Maria Mayr, waren vor zehn Jahren ebenfalls bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Die Männer aus St. Stefan ob Leoben und Kraubath, 33 und 46 Jahre alt, waren am 1. Februar 2003 auf dem Seckauer Zinken verschüttet worden. Erst nach vier Stunden konnten sie geborgen werden.

BEATE PICHLER

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