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Zuletzt aktualisiert: 23.12.2012 um 20:32 UhrKommentare

Helmut Schüller: "Die Leute durchschauen das ohnehin"

Helmut Schüller, Mitgründer der Pfarrer-Initiative, spricht zu seinem 60. Geburtstag über Ungehorsam, Blockaden und die Starre Haltung der Amtskirche.

Foto © APA

Mit 60 Jahren kann man Bilanz ziehen. Würden Sie alles wieder so machen?

HELMUT SCHÜLLER: Im Großen und Ganzen schon, obwohl die Frage etwas unrealistisch ist, weil sich die Begleitumstände ändern.

Würden Sie sich vielleicht in der Wortwahl mäßigen?

SCHÜLLER: Nein, denn ich glaube, dass Deutlichkeit kein Fehler ist. Das Wort Ungehorsam spricht nur an, welches System wir haben, in dem zwar Gehorsam erwartet wird, aber diejenigen, die den Gehorsam erwarten, keiner Kontrolle durch das Kirchenvolk unterliegen.

Wären Sie auch Priester geworden, wenn Sie all das gewusst hätten, was in den letzten Jahren passiert ist?

SCHÜLLER: Schon, weil ich Seelsorger werden wollte und bin mit Leib und Seele. Und weil ich so unglaublich viele Menschen kennengelernt habe, die in dieser Kirche an ihren Plätzen und in den Familien sich um das Christsein bemühen. Dabei zur Verfügung zu stehen, ist wohl das Schönste, das es gibt.

Wie geht es in der Kirche weiter, wenn sich die Bischöfe taub stellen gegenüber den Forderungen der Priester-Initiative?

SCHÜLLER: Wache Christen und Christinnen werden ihren Weg gehen, die Erwartungen in die Kirchenleitung werden immer geringer werden. Und es werden immer mehr Gläubige werden, die dann die Reformen selber in die Hand nehmen.

Wie erklären Sie den Gläubigen in Ihrer Pfarre die starre Haltung der Amtskirche?

SCHÜLLER: Die Leute durchschauen das alle ohnehin. Da braucht man nicht viel zu erklären. Sie wissen, dass ein vatikanisches System entstanden ist, das versucht, alles zu blockieren. In den Gemeinden geht es längst um die Frage: Wie können wir unseren Weg trotzdem weitergehen?

Kardinal Christoph Schönborn hat ein neues Schisma (Kirchenspaltung, Anm.) an die Wand gemalt. Besteht diese Gefahr?

SCHÜLLER: Da muss man sich fragen, von wem es ausgeht. Wenn die Mehrheit des Kirchenvolkes und auch der Seelsorger nicht nur in Österreich, sondern offensichtlich weltweit die Perspektiven des Zweiten Vatikanischen Konzils weiterhin betreibt, dann stellt sich die Frage, ob nicht die Blockaden der Kirchenleitung Schismen verursachen können. Aber ich habe noch niemanden getroffen, der eine Spaltung will.

Wie weit sind Ihre Anliegen über die Grenzen Österreichs hinausgedrungen?

SCHÜLLER: Die Anliegen mussten nicht hinausdringen. Sie kommen von dort zu uns zurück. Sie beschäftigen die Menschen in anderen Ländern, längst so intensiv wie bei uns. Diese Anliegen sind weltweit präsent. Daher kommen so rasch die Kontakte zustande.

INTERVIEW: R. BENEDIKT

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