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    Zuletzt aktualisiert: 03.12.2012 um 14:20 UhrKommentare

    O Tannenbaum, wie grün sind Deine Neonröhren

    In Brüssel versuchen nicht nur EU-Parlamentarier mit Undercover-Journalisten Englisch zu sprechen, nein - dort denkt man sich auch Kunst aus: Gegen den hässlichsten Weihnachtsbaum der Welt läuft eine Petition. Von Thomas Golser.

    Foto © AP

    Am Grande Place, mitten im Herzen von Europas Machtzentrale Brüssel steht es, das vielleicht eigenwilligste adventliche Konstrukt dies- und jenseits der Europäischen Union: Zusammengeschraubt, aufeinandergetürmt, ineinander gestülpt und mit modernster Technik zum Zucken und Strahlen gebracht. Und doch wendet sich der (Brüsseler) Bürger momentan eher mit Grausen ab, wenn er nur in die Nähe des EU-Weihnachtsbaums kommt: "Was ist das? What's that? Qu'est-ce que c'est?" Er ist vor allem: anders.

    Glühbirne und Weihnachtsbaum

    Der gemeinen Glühbirne wurde ja bereits der Garaus gemacht, sie musste der energisch "von oben" eingeführten Energiesparlampe Platz machen. "Unsexy" ist noch das schmeichelhafteste Wort, dass Freunde der erotisch-rundlich geformten 40-, 60- oder gar 75-Watt-Birne für die nüchternen Leuchtmittel übrig haben. Und nun das: Auch einem Heiligtum der christlichen Weihnachtstradition geht es in Brüssel an den Kragen - und zwar auf sehr eigenwillige Art. Geometrisch und grausam, aus Stahlträgern, Holz und Leinwänden - schenkt die EU allen den hässlichsten Weihnachtsbaum der Welt?

    Symbolisch zu einem bizarren Ganzen verflochten soll der aufgestellte Technokraten-Tannenbaum 2.0 (andere sagen: Version 0.0) die verschiedenen Mitgliedsländer der EU symbolisieren. Der utopische Baum schimmert in verschiedenen, künstlich wirkenden Farben - und sogar Grün ist darunter. Wer ab und zu am Handy oder am Computer eine Runde "Tetris" spielt, könnte gewisse Assoziationen haben. Die Symbolwirkung ist vielleicht auch eine ganz andere: Irgendwie seltsam, teuer und am Bürger vorbei - das erinnert den einen oder anderen Systemkritiker möglicherweise an die EU selbst.

    Politik zeigte sich zufrieden

    Ob nun seitens der Stadtväter, des (bislang noch anonym gebliebenen) Künstlers oder der EU mit Lametta nachgebessert wird oder ein wenig Schnee alles zudecken wird, ist noch nicht bekannt. Bisweilen aber auch sehr fraglich: Brüssel und seine Stadtverwaltung wollen von Kritik nichts wissen, lobpreisen dafür die Installation als "zeitgenössische und künstlerische Variante" von dem, was die meisten EU-Bürger in Kürze in der eigenen Stube aufstellen werden. In einem Erklärungsversuch seitens des Stadtrates hieß es, die Form sei bewusst gewählt, um Vertreter anderer Religionen nicht zu verletzen.

    Geschmäcker sind eben verschieden. Und gewisse Geschmäcker sind ganz anders. Man stelle sich nicht vor, was dem Osterhasen noch angetan werden könnte. So weit will man es nun aber gar nicht kommen lassen - im sozialen Netzwerk Facebook hat eine Seite gegen das Monstrum bereits weit über Zehntausend Anhänger: wohl erst der Anfang.

    THOMAS GOLSER

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