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Zuletzt aktualisiert: 30.11.2012 um 20:06 UhrKommentare

"Da hieß es nur noch Vollgas und durchfahren"

Österreichs Blauhelme erzählen von den bangen Minuten im syrischen Kugelhagel. Der angeschossene Steirer (25) liegt in Israel im Spital und sagt: "Bin erschöpft, aber es geht mir gut."

Die Soldaten bei der Ankunft in Wien-Schwechat

Foto © APADie Soldaten bei der Ankunft in Wien-Schwechat

Den österreichischen Soldaten und ihren Angehörigen saß der Schreck am Freitag noch in den Gliedern. Ihnen allen ist klar: Die Sache hätte auch anders enden können. Wie berichtet gerieten am Donnerstag 88 österreichische UN-Soldaten auf einer Fahrt vom Golan zum Flughafen von Damaskus unter Beschuss. Ein Steirer und ein Burgenländer wurden von Kugeln getroffen, befinden sich aber auf dem Weg der Besserung.

Einer der Blauhelme schildert der Kleinen Zeitung die bangen Minuten: "Offenbar hat die syrische Armee die Situation falsch eingeschätzt und unseren Konvoi durchgewunken. Zehn Kilometer vor dem Flughafen sind dann plötzlich Schüsse gefallen. Wir waren wohl nicht das Ziel, sondern sind genau zwischen die Fronten geraten. Links von uns die Rebellen, rechts die syrische Armee. Da hieß es nur noch Vollgas und durchfahren."

Mehrere Fahrzeuge, darunter ein Sanitätsauto, wurden von den Kugeln zerstört und mussten von den Soldaten zurückgelassen werden. Noch während der hastigen Weiterfahrt zum Flughafen versorgten die Sanitäter die beiden getroffenen Österreicher, zwei weitere Soldaten wurden leicht verletzt.

In der Nacht auf Freitag trafen die österreichischen Blauhelme auf dem Flughafen Wien-Schwechat ein - alle bis auf die beiden Schwerverletzten. Sie kamen in das Ramam-Spital in der israelischen Küstenstadt Haifa.

Einer der beiden ist der 25-jährige Korporal Daniel Pertscherer aus Öblarn. Der Steirer wurde von einer Kugel in den Arm getroffen, bekam Splitter ab und sollte Freitagabend operiert werden. Ein OP-Termin am Vormittag war verschoben worden. "Das Bundesheer hat mich sofort nach dem Zwischenfall verständigt", sagt sein Vater Rudolf. "Ich erfuhr zuerst nur, dass Daniel verletzt wurde, erst später, dass keine Lebensgefahr besteht." Erlösend dann der Anruf des Sohnes: "Ich bin erschöpft, aber es geht mir gut." Eine Erleichterung auch für Pertscherers fünfjährige Tochter und seine Freundin Julia: "Das war ein Schock, aber zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert."

Auch Vizeleutnant Anton L. (53) aus dem Burgenland - ein gebürtiger Feldbacher - erholt sich in Haifa. Er hatte einen Schuss in die Schulter abbekommen.

Wann die beiden das Spital verlassen können, ist noch offen. "Das Krankenhaus in Haifa ist eines der besten der Welt für Schussverletzungen. Da wäre es kontraproduktiv, die Soldaten übereilt nach Österreich zurückzuholen", sagt Heeressprecher Oberst Michael Bauer. Eine Entscheidung wird frühestens Anfang nächster Woche fallen.

Die 86 nach Österreich zurückgekehrten Blauhelme wurden vorerst ins Garnisonslager Götzendorf (NÖ) gebracht. Dort werden sie medizinisch und psychologisch betreut.

Daniel Pertscherer, der als Milizsoldat ein Jahr freiwillig in Syrien gedient hatte und seinen Einsatz bereits um ein halbes Jahr verlängert hatte, denkt trotz seiner Verletzung nicht ans Aufgeben. "Bei nächster Gelegenheit würde ich einen derartigen Einsatz wieder machen", sagt er.

GÜNTER PILCH, BERND HECKE, MICHAEL JUNGWIRTH

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