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Zuletzt aktualisiert: 11.11.2012 um 11:08 UhrKommentare

BBC-Generaldirektor nimmt nach Skandal den Hut

Die BBC kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Die Ausstrahlung eines BBC-Berichts hatte Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen einen Ex-Politiker zur Folge, die sich als falsch herausstellen. BBC-Chef Enwistler nahm als Gesamtverantwortlicher den Hut.

BBC-Chef George Entwistle

Foto © ReutersBBC-Chef George Entwistle

BBC-Chef George Entwistle zieht Konsequenzen aus einem umstrittenen Bericht über den britischen Missbrauchsskandal in seiner Sendergruppe: "Ich habe entschieden, dass es die angemessene Reaktion ist, zurückzutreten", sagte Entwistle am Samstagabend in London. Zuvor hatte die Ausstrahlung eines BBC-Berichts Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen den früheren Politiker Alistair McAlpine zur Folge, die sich als falsch erwiesen.

Als Generaldirektor sei er "letztlich verantwortlich für den gesamten Inhalt" der BBC-Sendungen, begründete der erst im September ins Amt gekommene Entwistle seinen Rücktritt. "Die ganzen Ereignisse der vergangenen Wochen haben mich zu dem Schluss gebracht, dass die BBC einen neuen Chef haben sollte". Die BBC hatte sich bereits am Freitagabend bei McAlpine entschuldigt. Am Samstag sagte Entwistle zunächst dem BBC-Radio, die Ausstrahlung des Berichts der Sendung "Newsnight", der Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen McAlpine zur Folge hatte, sei "grundlegend falsch" gewesen. Am Abend dann trat der BBC-Chef in London vor die Fernsehkameras und erklärte seinen Rücktritt.

"Newsnight" hatte in den vergangenen Tagen über Steve M. berichtet, der in den 70ern in einem Kinderheim in Wales missbraucht worden war. Obwohl der Täter in der Sendung nicht namentlich identifiziert wurde, kursierte kurz darauf im Internet das Gerücht, es handele sich um McAlpine. Der frühere Schatzmeister der Konservativen, der einen Sitz im Oberhaus hat, bestritt am Freitag die Vorwürfe und versicherte: "Ich war niemals in irgendeinem Kinderheim." Und auch Steve M. selbst teilte mit, dass es sich bei McAlpine nicht um den Täter gehandelt habe. Entwistle hatte bereits am Freitag angeordnet, dass "Newsnight" die Recherchen vorübergehend einstellt, um seine Arbeitsmethoden zu überprüfen. Die Sendung steht derzeit im Zentrum der Ermittlungen gegen den BBC-Starmoderator Jimmy Savile, der zu Lebzeiten hunderte Kinder missbraucht haben soll. "Newsnight" wird vorgeworfen, entsprechende Hinweise zurückgehalten zu haben.

Die Affäre Savile erschüttert seit Wochen Großbritannien, immer wieder gibt es neue Enthüllungen. Scotland Yard hat inzwischen wegen des Verdachts auf "Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmaß" durch den Fernsehmoderator Ermittlungen eingeleitet. Den Ermittlern zufolge gibt es Hinweise, dass Savile rund 40 Jahre lang Kinder missbrauchte. Die Polizei geht von 300 möglichen Opfern aus. Savile war 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben. Im Zusammenhang mit dem Skandal wurden bereits mehrere britische Prominente wegen Missbrauchsvorwürfen festgenommen.


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