Landwirt vor dem Rollstuhl gerettet
Günter Sauseng sprang 15 Meter in die Tiefe, als sein Traktor abstürzte. Ihm drohte eine Querschnittslähmung. Knapp fünf Wochen nach OP am Uniklinikum Graz kann er wieder gehen.

Foto © HoffmannDer Patient kann mittlerweile wieder gehen
Es war eigentlich ein ganz normaler Tag für Günter Sauseng: Der 42-jährige aus Neudorf bei Passail war mit dem Traktor unterwegs, um Brennholz zu transportieren. Als sein Traktor durch einen "Fahrfehler" abstürzte "bin ich seitlich rausgesprungen. Und dann auf den Hintern aufgeschlagen, das Fuhrwerk ist neben mir vorbeigeflogen." Der Steirer spürt seine Beine nicht mehr. "Da habe ich an den Schöckl gedacht und g'sagt: Schau, da bist du jetzt aber das letzte Mal rauf gegangen. Ich war auch noch voller Dornen von dem Gestrüpp und habe mich mit den Händen rausgezogen."
Weil sein Handy nicht mehr funktionierte, rief er laut um Hilfe. "Das hat dann ja auch geklappt, weil ich ein so lautes Organ habe. Man hat dann die Rettung gerufen", lacht er heute neben seinem Arzt Rainer Gumpert, der ihm vor den schlimmsten Folgen bewahrte. Aber davon war noch keine Rede, als die Rettung kam: "Zuerst haben's ja überhaupt g'fragt, ob eine Rettung denn notwendig sei. Dann haben sie nur einen Patiententransport geschickt, ohne Notarzt!", schüttelt er heute noch den Kopf. Trotzdem wurde ein Arzt geholt, aber der weitere Transport war unmöglich. "Ich hatte solche unglaublichen Schmerzen. Ich hab' g'sagt, die sollen mich lieber erschießen, als weiterfahren, weil es so schlimm war ."
Zerborstener Wirbel
Mit einem Hubschrauber wurde Sauseng letztlich ins Uniklinikum Graz gebracht. Der gelernte Zimmerer und Dachdecker hatte unwahrscheinliches Glück: "Der erste Lendenwirbel war zwar zerbosten, und der Wirbelkanal ausgemauert. Wenn das aber im Bereich des fünften Brustwirbel passiert, hätte er mehr bleibende Schäden gehabt", erklärt der Unfallchirurg und Wirbelsäulenspezialist Gumpert. Knapp zwei Stunden nach dem Unfall kam Sauseng schon auf den OP-Tisch. Ein weiterer Glücksfall. "Denn wenn es länger gedauert hätte, wäre ich wohl querschnittgelähmt gewesen", so Sauseng.
Laut Gumpert hatte Sauseng bis zur Notoperation schon eine "rückläufige Symptomatik, und wieder ein leichtes Gefühl in den Zehen". Sein Rückenmark war beim Unfall nicht durchtrennt, aber schwer gequetscht worden. "Und die Rückenmarkshäute waren zerfetzt, auch die Nervenfasern schwer betroffen. Ich habe zuerst mit so einem guten Erfolg nicht gerechnet, eher mit Lähmungserscheinungen. Wir mussten Knochenstücke aus dem "ausgemauerten" Wirbelkanal entfernen und die Rückenmarkshäute vernähen", erklärt Gumpert den komplizierten Eingriff.
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Jan Schwab ist wissenschaftlicher Leiter von "Wings for Life"
Herr Schwab, Sie sind der wissenschaftliche Direktor der Wings-for-Life-Stiftung, die versucht, Querschnittsgelähmten zu helfen. Ist die Operation in Graz ein Durchbruch im Kampf gegen die Querschnittslähmung?
JAN SCHWAB: Die Operationstechnik ist bekannt und der Fall in Graz ist ein sehr guter Operations-Standard, den wir gerne überall hätten. Weil diese Operationen extrem aufwendig sind. Aber: Von so einer frühen Operation wie in Graz, bei der das gequetschte Rückenmark entlastet wird, können leider nicht alle Rückenmarkverletzte profitieren.
Gibt es Hoffnung für Patienten, deren Rückenmark durchtrennt ist?
SCHWAB: Es gibt neue Stammzellenstudien, wir haben neue Erkenntnisse: Aber wir müssen das erst einmal klinisch, also am Patienten, durchsetzen. Den großen Durchbruch können wir noch nicht vermelden.
Gibt es einen Zeithorizont, in dem wir mit Ergebnissen rechnen können?
SCHWAB: Das kann man nicht mit Jahren beziffern. Aber das Wissen wächst so rasant, dass wir zu einem Ergebnis kommen werden.












