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    Zuletzt aktualisiert: 21.11.2012 um 11:50 UhrKommentare

    "Österarm" statt Österreich

    Wie reich ist eine Gesellschaft, die sich Armut leistet, tatsächlich - Armut, die stetig zunimmt und längst auch den Mittelstand wegbröckeln lässt? Wie arm sind jene, die Reichtum weiter horten und vermehren? Der neue Sozialbericht birgt enorme Mengen an Dynamit - und die Zündschnur brennt munter. Von Thomas Golser.

    Foto © D. Fabri - Fotolia.com

    Aus Österreich wurde und wird "Österarm": Der Zeitpunkt, zu dem der neue und mehr als nur bedenkliche "Sozialbericht 2010/2011" veröffentlicht wurde, war sehr gut gewählt. Schon Anfang Oktober bogen sich wie jedes Jahr die Regale unter Bergen von Weihnachts-Tand durch, längst durchgescheuerte Weihnachtslieder plärren aus allen Lautsprechern. Das Herz und die Geldbörse sollen einem spätestens jetzt ganz weit aufgehen, doch so mancher wird sich den Christbaum nicht mehr leisten können - und das Lametta dazu auch nicht mehr. Und falls doch, sitzt darauf längst der Pleitegeier.

    Jeder Achte armutsgefährdet

    Bereits jede(r) Achte im Land ist inzwischen armutsgefährdet, schon 511.000 Menschen sind "sichtbar" arm: Ist das eines westeuropäischen Landes wie Österreich, das immerhin noch reich genug ist, um Milliarden Euro an Brüssel zu überweisen, würdig? Wie reich ist eine Gesellschaft, die sich Armut leistet, tatsächlich? Armut, die stetig zunimmt und längst auch den Mittelstand wegbröckeln lässt? Das durchschnittliche Nettovermögen der vermögendsten fünf Prozent in Österreich ist sagenhafte 139 Mal höher als das der Hälfte sämtlicher Haushalte im Land. Ihnen gehören demnach 45 Prozent Gesamtvermögens. Man darf und sollte hier einmal schlucken - und das nicht nur einmal. Wer sich diese umgedrehte Pyramide bildlich vorstellt, wird erkennen: Sozialer Sprengstoff, der in großen Mengen an den Grundfesten des (Sozial-)staates angebracht wurde - und die Zündschur brennt schon munter auf halber Strecke. Hilfswerkzeuge wie die groß diskutierte "Mindestsicherung" helfen wenig - mehr Anlassfall als dauerhafte Lösung.

    Hieß es vor wenigen Jahrzehnten noch, man sei früher oder später arm ohne Arbeit, so gibt einem das Berufsleben heute nicht selten als Botschaft mit: arm trotz Arbeit. In der Teilzeit-Falle gefangen, mit mehreren "McJobs" auf Dauer am unter(st)en Limit leben, auch gut ausgebildet mit Gehältern sein Auslangen finden müssen, die wohl nur als Aufwandsentschädigung durchgehen. Die Politik bleibt hier substanzielle Antworten und Lösungen weiterhin schuldig: Wahltaktisch angesetztes Palavern über "Reichensteuern", das erneute Aufschieben einer steuerlichen Entlastung der breiten Masse und das Akzeptieren von problematischen Arbeitsverhältnissen, die vor allem Frauen in das Ausgedinge der Armut schicken. Die Lohnquote hechelt der Vermögensquote hinterher - und der Sozialstaat wird zunehmend selbst zum Sozialfall. Für um sich greifende Armut scheinen in Österreich über Jahrzehnte auch die notwendigen Rahmenbedingungen vorhanden gewesen zu sein. Bedürftigkeit ist für viele Menschen ein jäher Schlag - doch gesellschaftlich gesehen kommt sie nicht von heute auf morgen. Armut ist Alltag.

    Die Symptome sind überdeckt

    Sichtbar arm sind nicht alle davon Betroffenen, denn nicht jede Seuche wirft mit sofort erkennbaren Symptomen um sich. Haben ohne noch viel zu haben, das geht auch: Das neue Auto auf Raten und Pump, das schicke Handy mit dem "unlimitierten Guthaben", der teilfinanzierte Flatscreen mit 55 Zoll und 350 Sendern - das alles eignet sich offenbar (noch) sehr gut als Placebo. Brocken, die hingeworfen und dann gerne angenommen werden, selbst wenn einem die Bank schon auf den Zehen steht und man wirklich nichts mehr zu verschenken hat. Es ist eine unbarmherzige Abwärtsspirale, die hier ihren Lauf nimmt, merkte die Caritas in einer aktuellen Stellungnahme sehr richtig an.

    Wohnen als nicht mehr für alle leistbarer Luxus statt als Selbstverständlichkeit, Kerzen statt Heizkörpern, die kalt bleiben. Und am anderen Ende des perversen Spektrums darf man zur Bespaßung und zur Rundum-Konsumation auch ohne Bedarf in eines der Einkaufszentren fahren. Wenigstens solange einen der Exekutor noch vorbei lässt.

    THOMAS GOLSER

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