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Zuletzt aktualisiert: 21.10.2012 um 18:05 UhrKommentare

Tote Kanadierin wird Symbol gegen Cybermobbing

Der Tod des 15-jährigen Cyber-Mobbing-Opfers Amanda Todd löst eine weltweite Welle der Anteilnahme aus. Amandas Schicksal rief auch die Hackergruppe Anonymus auf den Plan - und auch die kanadische Polizei sucht weiter mit Hochdruck nach dem Mann, der das junge Mädchen in den Selbstmord trieb.

Foto ©

Eine Ethik-Kommission für Internetunternehmen wie Google und Facebook hat der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Alvaro, gefordert. Die Datenschutzverordnung, die Brüssel derzeit erarbeite, gehe nicht weit genug.

"Branche muss handeln"

"Die Internetbranche muss endlich handeln", erklärte der FDP-Europapolitiker. Die Kommission aus Datenschützern, Psychologen und Netzaktivisten solle etwa kontrollieren, ob Google innerhalb von 24 Stunden Seiten mit Persönlichkeitsrechtsverletzungen aus dem Index löscht, denn Cyber-Mobbing-Opfer wie Amanda Todd dürfe es nicht mehr geben. >Der Hilferuf der 15-jährigen war unüberhörbar. "Ich habe niemanden. Ich brauche Euch. Mein Name ist Amanda Todd", mit diesen drei Sätzen beendete der Teenager aus Kanada ihre Leidensgeschichte auf Youtube.

Stumm, nur mit beschriebenen Karteikarten in der Hand, war sie acht lange Minuten vor ihrer Webcam gesessen und hatte die Welt teilhaben lassen an den Cyber-Mobbing-Attacken, denen sie über Jahre ausgesetzt war. Karteikarte für Karteikarte hatte das Mädchen in dem Video von ihrem Leid berichtet. Von ihrem Peiniger, der sie im Netz erst zu einem Nacktfoto überredet hatte und sie dann ein Jahr später vor der ganzen Welt bloß stellte, weil sie ihm nicht gefällig war.

Psychischer Terror

Amanda berichtete von ihren Schulkameraden, die sie danach hänselten. Von den Schmähmails, die sie jeden Tag aufs Neue auf ihrem Computer vorfand. Von ihren Weinkrämpfen und den vielen schlaflosen Nächten, die sie seit dem Vorfall mit dem Nacktfoto plagten. Letzten Mittwoch nahm sich Amanda Todd das Leben. Seitdem haben sich mehr als elf Millionen Menschen weltweit ihr trauriges Youtube-Video angesehen. Am Wochenende fanden sich Tausende Menschen zu spontanen Gedenkfeiern zusammen. In Kanada, aber auch in 40 Städten weltweit, in den USA, in Indien, in Europa. In Toronto legten am Freitag 300.000 Schüler während des Unterrichts eine Gedenkminute für die 15-Jährige und all die anderen Opfer von Cyber-Mobbing ein.

Amandas Schicksal rief auch die Hackergruppe Anonymus auf den Plan. Ebenfalls per Online-Video wandte sie sich an Todds Peiniger und stellte nach einer ausgiebigen Online-Recherche Name und Adresse des angeblichen Täters ins Netz. Der bestreitet allerdings, Todd gemobbt zu haben. Aber Anonymous will nicht aufgeben und auch die kanadische Polizei sucht weiter mit Hochdruck nach dem Mann, der ein junges Mädchen in den Selbstmord trieb.

JÖRG MICHEL, EDMONTON

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