Lebenslänglich: Urteil erntet Kopfschütteln
Im Mordprozess gegen den oberösterreichischen Mediziner Eugen Adelsmayr wurde am Sonntag das Urteil verkündet. Der Arzt aus Bad Ischl wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihm wird der Tod eines Patienten durch unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt. Freispruch für Kollegen.

Foto © APA/Martina Wolf
Fassungslos hat der Anästhesist und Intensivmediziner Eugen Adelsmayr in seinem Haus in Bad Ischl das Urteil aus Dubai zur Kenntnis nehmen müssen. Der 53-Jährige wurde am Sonntag in Abwesenheit wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat 14 Tage Zeit, um Einspruch zu erheben.
"Wenn die das tun, dann wird das Urteil auf Todesstrafe lauten", sagt Adelsmayr. Seinerseits hat der Arzt von Österreich aus keine Berufungsmöglichkeit. Offen ist auch noch, ob die Vereinigten Arabischen Emirate einen internationalen Haftbefehl verhängen, was die Reisefreiheit Adelsmayrs massiv einschränken könnte.
Interview
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mediziner im Jänner 2009 im Rashid-Hospital in Dubai einen Patienten mit Querschnittslähmung durch unterlassene Hilfeleistung sowie eine Überdosis Morphin getötet hat. Das Urteil bezeichnet der Mediziner als Farce und sehr belastend. Drei Gutachten hatten ihn entlastet, ein viertes, offensichtlich gefälschtes (19 Seiten mit entlastenden Argumenten fehlten) diente der Urteilsfindung. Kurios: Der Mitangeklagte, ein indischer Arzt, der laut Anklage auf Adelsmayrs Anordnung den Mord ausgeführt haben soll, wurde freigesprochen.
Der Bad Ischler, der inzwischen als Anästhesist in einem Salzburger Privatspital arbeitet, hatte während des langen Prozesses auch eine persönliche Tragödie erlebt: Im vergangenen Jänner starb seine Frau an Krebs. Seine Erlebnisse hat der Arzt in seinem Buch "Von einem, der auszog" niedergeschrieben. Adelsmayr glaubt zu wissen, warum das Gericht gegen ihn entschieden hat: "Ich habe mich in Dubai mit den Gesundheitsbehörden angelegt, habe gesagt, dass dort Euthanasie praktiziert wird. Der Leiter der Behörde ist der Bruder des Herrschers", sagt Adelsmayr zu den "Oberösterreichischen Nachrichten".
Martin Weiss, Sprecher des Außenministeriums, ist vom Urteil ebenfalls überrascht worden: "Nach all dem, was wir über den Fall wissen, ist dieses Urteil nicht nachvollziehbar".
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Steckbrief
Eugen Adelsmayr wurde 1959 in Geinberg im Bezirk Ried (OÖ) geboren. Matura im Sportgymnasium Saalfelden, Medizinstudium bis 1984 in Wien.
1986 heiratete er seine Frau Antonia, zwei Söhne, Übersiedelung nach Innsbruck, Facharztausbildung als Anästhesist und Intensivmediziner, Oberarzt.
2004 ging er für vier Wochen als Intensivmediziner nach Abu Dhabi, dort bot man ihm die Leitung der Intensivstation am Rashid Hospital an.
2009 begannen die Ermittlungen gegen ihn.











