Fall Wastl: Gutachter belastet Verdächtigen
Im Fall der seit elf Jahren vermissten Heidrun Wastl (37) bezweifelt der Gerichtsmediziner, dass die Frau einem Unfall zum Opfer gefallen ist.

Foto © APASuche nach Wastl im Juni 2012
Was geschah in den Vormittagsstunden des 28. September 2001? Damals verschwand die 37-jährige Kindergartenhelferin Heidrun Wastl aus Wiener Neustadt spurlos. Der im Mai dieses Jahres verhaftete Tischler Erich W. gestand den Cold-Case-Ermittlern des Bundeskriminalamtes, am fraglichen Tag mit der Frau unterwegs gewesen zu sein.
Laut seinen Schilderungen sei Wastl durch einen Unfall gestorben. Er sei mit der Kindergartenhelferin im Wald spazieren gegangen. Heidrun Wastl trug Hausschuhe. Plötzlich sei sie gestolpert. Seine Begleiterin sei bewusstlos liegen geblieben, er sei in Panik davongelaufen und nie wieder an den Unglücksort zurückgekehrt, so Erich W. Die Leiche konnte bisher nicht gefunden werden.
Staatsanwalt und Cold-Case-Ermittler hatten an der Unfallversion des Verdächtigen von Anfang an Zweifel. Jetzt liegt das gerichtsmedizinische Gutachten vor. Auch der Experte hält es für unwahrscheinlich, dass die Frau Opfer eines Unfalls wurde.
Der Gerichtsmediziner musste anhand der Schilderungen des Verdächtigen nachvollziehen, ob sich der Vorfall aus technischer oder gerichtsmedizinischer Sicht so ereignet haben könnte, wie Erich W. behauptet. "Der Gutachter hat ernsthafte Zweifel", bestätigt Norbert Hauser, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Für den Gerichtsmediziner scheinen die Schilderungen des Verdächtigen nicht plausibel.
Erich W. sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. Mit einer Enthaftung sei nicht zu rechnen, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft. Die nächste Haftprüfung ist für den 10. November dieses Jahres vorgesehen.
Die Staatsanwaltschaft wartet noch auf das psychiatrische Gutachten. "Es kann nicht mehr lange dauern, bis es bei uns ist", so Hauser. Erst dann wird über eine mögliche Mordanklage gegen Erich W. entschieden.










