Florida: Ein Kinderheim des Horrors
Gut 60 Jahre lang wurden in Wäldern rund um die US-Kleinstadt Marianna (Florida) Dutzende Kinder verscharrt, die Opfer brutaler Erziehungsmethoden waren. Rund 100 Buben sollen ermordet worden sein - nun wird das Gelände untersucht.

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Seit Jahrzehnten halten sich Gerüchte, dass die Erziehungsmaßnahmen in einer Bubenschule in der Kleinstadt Marianna im US-Bundesstaat Florida barbarisch waren. Als die Vorwürfe überhandnahmen, ordnete der damalige Gouverneur Charlie Crist 2008 Untersuchungen ein. Beweise für Missbrauch wurden keine gefunden - aber Dutzende geheime Gräber. In den vergangenen 60 Jahren haben sich Hunderte Männer gemeldet, die Horrorgeschichten über die Zustände in der als Besserungsanstalt geführten staatlichen Dozier Boys School Marianna berichteten. Sie haben sich unter dem Namen "White House Boys" ("Die Buben vom weißen Haus") zusammengeschlossen. Der Name stammt vom weißen Gartenhaus auf dem Schulgelände, in dem sie schwer misshandelt worden sein sollen.
"Hier handelt es sich um Kinder, die an diese Schule kamen und aus welchem Grund auch immer hier starben und einfach in den Wäldern versteckt wurden", erklärt Erin Kimmerle, Anthropologin der Universität von South Florida, die mit ihrem Team die Gegend rund um die ehemalige Schule untersucht. Denn die Ermittlungen haben gezeigt, dass an der Schule seit ihrer Eröffnung 1900 knapp 100 Buben starben. Von vielen Toten gibt es weder Hinweise über die Todesursache noch Angaben zu den Grabstätten.
Mit speziellen Radargeräten wurde das 560 Hektar große Schulareal abgesucht. In der Nähe des Friedhofs wurden die Überreste von 18 unbekannten Kindern gefunden, insgesamt wurden 49 Stellen identifiziert, an denen weitere Leichen vermutet werden. Es wird vermutet, dass hier in der Zeit der Rassentrennung nur schwarze Jugendliche begraben wurden.
Woran die Jugendlichen starben, kann erst nach der Öffnung der Gräber festgestellt werden. Doch dafür müssen die Wissenschaftler erst die Zustimmung der Angehörigen abwarten. Allerdings drängt die Zeit, denn der Bundesstaat will das Gelände verkaufen. Doch die Spurensuche nach Verwandten wird schwierig. Denn viele Todesfälle seien vertuscht worden, so die "White House Boys".
Features
Dozier School for Boys
Geschichte. Die Dozier School for Boys wurde 1900 als staatliche Umerziehungsanstalt gegründet und war für ihre brutalen Erziehungsmaßnahmen berüchtigt. In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es Berichte über Misshandlungen.
Das Ende. 2011 wurde die Schule aus Geldmangel geschlossen.











