Verkehrspsychologe: "Das Auto verleiht Stärke und Macht"
Verkehrspsychologe Dieter Krainz zum L17-Schein und über junge Männer am Steuer.
Ein L17-Führerscheinneuling hat einen verheerenden Unfall verursacht. Ist das ein typisches Beispiel?
DIETER KRAINZ: Junge Männer haben oft kein sachliches Verhältnis zum Auto. Das Autofahren ist emotional aufgeladen. Sie haben noch keinen gesellschaftlichen Status, und das Auto verleiht Stärke und Macht. Es ist wie ein Abenteuerspielplatz, man überschätzt sich selbst und unterschätzt die Gefahr. Bei Frauen ist das viel seltener der Fall.
Was bedeutet das für den L17-Führerschein, mit dem man schon früher fahren kann?
KRAINZ: Der L17-Schein hat sich insgesamt bewährt. Es gibt signifikant weniger Unfälle als bei 18-Jährigen, die eine normale Ausbildung machen. Sie wissen besser Bescheid, weil sie schon 3000 Kilometer Erfahrung haben. Aber es gibt natürlich Ausnahmen. Bis 70.000 Kilometer gilt man als Anfänger, es werden Geschwindigkeiten falsch eingeschätzt und die Blicktechnik ist nicht ausreichend entwickelt. Eine große Verbesserung hat die Mehrphasenausbildung 2003 gebracht, das hat die Unfallzahlen in dieser Altersgruppe um 30 Prozent reduziert. Die Ausbildung in Österreich gilt als weltweit beste.
Was würden Sie sich als Verbesserung wünschen?
KRAINZ: Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der PS-Stärke der Fahrzeuge und der Verletzungsschwere. Junge Leute sollten also nicht PS-starke Autos fahren.
Wie sehen Sie generell die jungen Menschen als Führerscheinneulinge?
KRAINZ: An sich bin ich sehr zufrieden mit der Einstellung der jungen Leute, sie sind erstaunlich reif. Aber es gibt immer Ausnahmen. Es hängt von der Persönlichkeit ab, und manche leben ihre Aggressionen im Auto aus. INTERVIEW: NORBERT SWOBODA











