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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2012 um 20:49 UhrKommentare

Fleißig, aber bedroht

Parasiten, Pestizide und ein verändertes Landschaftsbild setzen den Bienen zu. Ein aktueller Kinofilm regt zum Nachdenken an.

Foto © APA

Sie sind die Guten. Anders als Hornissen oder Wespen umschwirrt die Bienen im menschlichen Resonanzkataster ein ungetrübt positives Image. Ihr Fleiß ist sprichwörtlich, und selbst weniger eifrige Kunstfigur-Exemplare wie "der faule Willi" gelten als Charmebolzen.

Ein Kinofilm facht das Sympathie-Feuer jetzt zusätzlich an - diesfalls aber über die Betroffenheits- und Mitleidsschiene. Denn der Schweizer Regisseur Markus Imhoof ist in seinem Film "More than honey" dem geheimnisvollen Massensterben auf der Spur, das die Insekten seit einiger Zeit dahinrafft. Die Gründe dafür sind mindestens so vielfältig wie heiß diskutiert. Sie reichen vom Wetter über die Landwirtschaft bis in die chemische Industrie. Und sie sind längst ein globales Phänomen geworden.

Fakt ist: Den Bienen geht es nicht gut. Sie werden bedroht.

Die nur 100 Milligramm leichten Tiere sind zwar weiterhin fleißig am auch für den Menschen überlebenswichtigen Bestäuben von Blüten - ein Drittel aller Lebensmittel würde es ohne diese Arbeit der Bienen nicht geben. Für die Tiere wird es aber zunehmend zu einem Todeskommando.

Eine Front wurde bereits in den 1980er-Jahren eröffnet: Die Varroa-Milbe wurde nach Europa eingeschleppt. Diese winzigen Parasiten (Durchmesser: zwei Millimeter) beißen sich am Rücken der Bienen fest und saugen sie aus. Außerdem geben sie - wie eine infizierte Nadel eines Drogenabhängigen - Viren an die Bienen weiter. Der Teufelskreislauf beginnt. Denn zur Bekämpfung der Milbe sind Chemikalien notwendig. Längst nicht der einzige Kontakt mit Chemie.

Streit um Pestizid-Einsatz

Eine zweite Frontlinie im Überlebenskampf der Bienen verläuft direkt durch die Mischzone von Landwirtschaft und Chemo-Industrie. Dort wird im Kampf gegen den schädlichen Maiswurzelbohrer seit Jahren und weltweit das Saatgut von Mais mit einem Beizmittel bearbeitet.

Nach Warnrufen der Imker, dass diesen Pestiziden auch Bienenvölker zum Opfer fallen, weil sie die Tiere lähmen und ihr hochkomplexes Orientierungsvermögen stören, liegen mittlerweile mehrere Studien vor, die das bestätigen. Wasser auf den Mühlen von Umweltschutzorganisationen wie Global 2000, die ein Verbot der Mittel in Österreich fordern. Öl im Feuer der Landwirtschaftskammer, die auf ohnehin verschärfte Anbauvorschriften verweist. "Die Auflagen sind wirksam genug, um den Einsatz weiter zu erlauben", relativierte man zuletzt bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Das Überleben der Bienen wird aber auch abseits von Insektenvernichtungsmitteln durch die moderne Landschaftsgestaltung im Allgemeinen erschwert. Acker- und Asphaltflächen wachsen, Monokulturen nehmen zu, Blumenwiesen und Hecken verschwinden: Alles kein Honigschlecken für die Bienen, die seit Jahrtausenden treuer Begleiter der menschlichen Zivilisation sind.

Und die Alarm-Meldungen häufen sich. In den USA klagt die Bestäubungsindustrie über Ausfälle, in China übernehmen mittlerweile Menschen in Handarbeit die Bestäubung der Pflanzen. Und in Österreich meldete der Grazer Zoologe Karl Crailsheim kürzlich die seit fünf Jahren höchsten Überwinterungsverluste von Bienenvölkern. Die Quote stieg von 16 auf 26 Prozent. "Einen Mix aus verschiedenen Faktoren", nennt der Wissenschaftler als Grund.

Crailsheim setzt an der Grazer Universität die Forschungstradition über Bienen fort, die Karl von Frisch nach Ende des Zweiten Weltkriegs begründet hat und die 1973 in einem bisherigen Höhepunkt gipfelte: der Verleihung des Nobelpreises für die Entschlüsselung des Bienentanzes.

KLAUS HÖFLER

Fakten

Reiseverkehr. Allein zur Bestäubung der 300.000 Hektar Mandelbaum-Monokulturen in Kalifornien werden jährlich 36 Milliarden Bienen aus den gesamten USA an die Westküste transportiert. - Die größte Tiermigration der Welt.

Honigkonsum. Jeder Österreicher verbraucht pro Jahr 1,3 Kilo Honig. Damit gehören wir neben Deutschland zu den Top-Konsumenten Europas. Nur die Griechen verbrauchen mehr (1,7 Kilo) vom klebrigen Produkt der Bienen. Insgesamt werden in Österreich durchschnittlich 6000 Tonnen Honig produziert.

Flugleistung. Während ihres durchschnittlich sechswöchigen Lebens bringt es eine Biene auf rund 800 Flugkilometer. Sie fliegt dabei mit 230 Flügelschlägen pro Sekunde.

Legebatterie. Eine Bienen- königin legt durchschnittlich 2000 Eier pro Tag. Wird ein Ei befruchtet, entsteht daraus eine weibliche Arbeiterin, bleibt das Ei unbefruchtet, eine männliche Drohne. Die Drohnen haben keinen Stachel und sterben beim Geschlechtsakt mit der Königin.

Kulturgut. Steinzeitliche Höhlenmalereien mit "Honigjägern" in Spanien beweisen, dass Honig bereits vor 9000 Jahren als Nahrungsmittel genutzt wurde.

Berufung. Die Zahl der Imker in Österreich nimmt ab. Derzeit sind es 22.000. In der Steiermark gibt es 3400, in Kärnten sind 2700 beim Landesverband gemeldet.

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